Kriegs- und Friedensallegorien

Peter Paul Rubens, Die Folgen des Krieges (1637)

Prof.em.Dr. Rainer Wohlfeil, Hamburg

Kriegs- und Friedensallegorien

 

Auch Allegorien können historische Dokumente sein, als Quellen zu analysieren, historisch zu erklären und zu deuten mittels geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen1. Unter den zahlreichen Fra­gen, die historisch an Bilder gerichtet werden können, spüre ich zwei ausge­wählten nach: Erstens, frage ich, vermittelten zeitgenössische Allegorien im weitgefaßten Sinne des Begriffs zeitgenössi­sche Deu­tungs­muster des Dreißigjährigen Krieges – etwa Aus­sagen zu den Ursachen oder über Urhe­ber, und wie erklärten sie ihn? Die andere Frage lautet: Zu welchem Zeitpunkt thematisierten Bilder die Sehnsucht nach Frieden und in wel­cher Weise reflektierten sie den Weg zum Frie­den? Im Re­ferat muß ich mich auf eine sehr knappe Be­schreibung der Bildin­halte und den Versuch ihrer Einordnung in den historischen Kon­text beschränken, die Pro­duktions- und Distributionsbe­dingungen blei­ben ebenso wie Fragen nach der Rezep­tion durch die Zeitgenossen oder gar durch spätere Bildbe­trachter unberück­sichtigt. Das ist bedauerlich im Wissen darum, daß Bil­der als Teil eines ge­sellschaftlichen Prozesses nicht nur Realität reflektieren, sondern auch den geschicht­lichen Prozeß zu beein­flus­sen ver­mögen: Sie können Bewußtsein schaffen und ausdrücken.     [ … ]

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Bibliografische Information – svz 87
Rainer Wohlfeil: Kriegs- und Friedensallegorien, in:
Der Krieg vor den Toren. Hamburg im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648,
hg. von Martin Knauer und Sven Tode (= Beiträge zur Geschichte Hamburgs,
hg. vom Verein für Hamburgische Geschichte, Bd. 60), Hamburg 2000, S. 349 – 386

[ … ]   Allegorien im Zusammenhang mit Dreißigjährigem Krieg und Frieden waren zuvor selten For­schungsgegen­stand2. Dieses Desiderat ist im Werk ‚1648 Krieg und Frieden in Europa‘3 teilweise aufgearbeitet worden4. Nicht vorgestellt werden Histori­enbilder mit fast ‚fotografi­scher Genauigkeit‘, wie das berühmte Ge­mälde von Gerard ter Borch von 1648 über die Beschwö­rung des Spanisch-Niederländi­schen Frie­dens5, und Gra­fiken, die in diesem Kontext ent­stan­den6, oder die der Bildberichterstattung über den Verlauf der Friedensverhandlungen dienten7. Ebenso we­nig greife ich andere Frage­stellungen auf, wie bei­spielsweise die nach den Leiden der Be­völke­rung8 bis hin zu den Verhandlungen in Münster und Osnabrück mit­samt den Frie­densschlüssen – selbst wenn das Geschehen in allegori­scher Weise ver­bild­licht wor­den ist9.

Das Kriegsgeschehen – um auf es zumindest knapp einzugehen – spie­gelte sich vornehmlich in militärisch-technologischen Sachbildern10 wider, besonders in der Dar­stellung von Schlachten und Belage­rungen. Einen Eindruck von der Fülle dieser mi­litär- und kriegsge­schichtli­chen Bil­der vermittelt jeder flüchtige Blick in Editi­onen und Aus­stel­lungs­kataloge über zeitgenössi­sche Grafik11 und Ge­mälde12. Mit Erstaunen sieht der heutige Be­trachter, daß nicht nur bedeu­tende Schlachten bild­lich ver­mittelt, sondern ebenso kleine, heute nur dem Speziali­sten be­kannte Gefechte als bildwürdig angesehen wurden. Dieser Sachver­halt läßt sich damit erklä­ren, daß der­artige Gra­fi­ken of­fenkundig kommer­ziell ein­träglich waren – vor allem über die Illu­strier­ten Flug­blätter.

Auch in Gemälden wurden kriegerische Ereignisse dargestellt. Hierhin gehört als das bedeu­tendste das 1635 von Velázquez‘ gemalte Meisterwerk ‚Die Über­gabe von Breda‘13. Auf die­ses Historienbild gehe ich ebenso wenig ein wie auf einen Stich von 1625 als ein Beispiel für jene 15 Blätter zur Belagerung und Über­gabe dieser Stadt 1624/1625, die allein Paas ediert hat14. Die Befragung kriegsge­schichtlicher Bilder hin­sicht­lich ihres historischen Doku­men­tenwertes würde aufzeigen, daß ihre Bearbeitung nicht we­niger aufwendig Geschichtskennt­nisse erfor­dert wie die Auflö­sung alle­gorischer Bild­gehalte15.

Allegorische Gemälde werden im ersten Teil meiner Ausführungen stehen (I). Anschließend be­fasse ich mich mit ausgewählten allegorischen Grafi­ken, vor allem den Illustrierten Flug­blätter16 (II-IV). Es sind Bilder, die von den Zeitge­nossen am ehe­sten zur Kenntnis ge­nom­men werden konnten. Auch auf Medaillen und auf skulptura­len Wer­ken17 finden sich Allego­rien zu Krieg und Frieden. Sie müssen hier un­be­rücksichtigt bleiben. Zum Abschluß versuche ich, die eingangs gestellten Fragen zu beant­worten (V).

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CURRUS BELLI, Stich von Hendrick Goltzius 1578

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