{"id":1790,"date":"2017-04-13T17:41:13","date_gmt":"2017-04-13T15:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/?p=1790"},"modified":"2019-05-19T12:19:27","modified_gmt":"2019-05-19T10:19:27","slug":"svz89-bauernkrieg-symbole-der-endzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/svz89-bauernkrieg-symbole-der-endzeit\/","title":{"rendered":"Bauernkrieg: Symbole der Endzeit?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1791\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham.jpg\" alt=\"1544 gestochener Kupferstich ACKER CONCZ. KLOS WVCZER. IM BAVERN KRIEG 1525 von Sebald Beham\" width=\"449\" height=\"666\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham.jpg 1078w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham-135x200.jpg 135w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham-768x1140.jpg 768w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham-690x1024.jpg 690w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1544-gestochener-Kupferstich-ACKER-CONCZ.-KLOS-WVCZER.-IM-BAVERN-KRIEG-1525-von-Sebald-Beham-101x150.jpg 101w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><\/a>PROF. DR. RAINER WOHLFEIL<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/svz89RainerWohlfeil-Bauernkriege-Endzeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bauernkrieg: Symbole der Endzeit?<\/a><\/h2>\n<p>Gesellschaftliche Bewegungen bed\u00fcrfen der Zeichen, Symbole und Bilder, die helfen zu integrieren, Identit\u00e4t zu schaffen, dauerhafte Bindungen zu vermitteln und aktives Han\u00addeln einzuleiten; Abzeichen dienen neben Geb\u00e4rden als \u00e4u\u00dferliche Erkennungsmerk\u00admale. Zeichen, Symbole und Bilder im Kontext des deutschen Bauernkrieges von 1525 zu ermitteln, zu beschreiben und historisch zu erkl\u00e4ren, stellt den ersten Schritt im Rahmen ihrer Analyse und Deutung dar. Die Aufgabe eines zweiten Schrittes ist es, mit dem methodischen Ansatz der Historischen Bildkunde nach ihrem Dokumentensinn zu fragen\u00b9. Diese Frage lautet: Was verbirgt sich hinter den bildlichen Ausdrucksformen? Bekunden sie mehr als das Bem\u00fchen der Aufst\u00e4ndischen, sich zusammenzuschlie\u00dfen, sind sie beispielsweise Ausdruck ihrer Bestrebungen, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen b\u00e4uerlicher Existenz zu verbessern, verbinden sich mit ihnen Erwartungen auf und Vorstellungen von einer generellen Zeitenwende im gesellschaftlichen Leben oder bezeugen sie gar kollektive glaubensbezogene Hoffnungen auf oder \u00c4ngste vor einer Wendezeit im Verst\u00e4ndnis endzeitlicher Kategorien? Diesen Fragen sp\u00fcre ich in sechs Abschnitten meines Referates nach.<\/p>\n<p>Um die Symbole, Zeichen und Bilder der letzten Phase des Bauernkrieges historisch deutend einordnen zu k\u00f6nnen, bedarf es in einem ersten Abschnitt eines R\u00fcckblicks auf Zeichen \u00e4lterer b\u00e4uerlicher Widerstandsbewegungen, auf deren gesellschaftliche Be\u00addeutung und eventuelle Verwendung im Bauernkrieg (I.). Da\u00df im Bauernkrieg von 1525 auch Glocken, Trommeln und Pfeifen die Bedeutung eines Zeichens zukam, wird im zweiten Abschnitt aufgezeigt (II.). In einem dritten mu\u00df kurz auf die Kunstfigur \u203aKarsthans\u2039 eingegangen werden (III.). Das Zentrum des Referates bildet der vierte Ab\u00adschnitt zur Thematik Regenbogenfahne und Bibelwort \u203aVerbum Domini maneat in aeternum\u2039 sowie vor allem zum sog. \u203aRegenbogen\u2039 vor dem Kampf bei Frankenhausen (IV.). Die Frage nach der literarischen \u00dcberlieferung dieser Symbole und Zeichen sowie nach weiteren bildlichen Zeugnissen wird im f\u00fcnften Teil behandelt (V.). Abschlie\u00dfend werde ich versuchen, die vorgegebenen zentralen Fragestellungen zu beantworten (VI.).\u00a0\u00a0 [ &#8230; ]<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/svz89RainerWohlfeil-Bauernkriege-Endzeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Weiterlesen &gt;&gt; vollst\u00e4ndiger Text mit Fu\u00dfnoten im pdf-Format \/ neuer Tab &gt;&gt;]<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h6 style=\"text-align: center;\">bibliografischer Hinweis &#8211; svz89<strong><br \/>\n<\/strong>Rainer Wohlfeil: <strong>Bauernkrieg: Symbole der Endzeit?<\/strong>,<br \/>\nin: Rottenburger Jahrbuch f\u00fcr Kirchengeschichte, Bd. 20, 2001, S. 53 &#8211; 71<\/h6>\n<hr \/>\n<p>[ &#8230; ]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Aus der deutschen b\u00e4uerlichen Lebenswelt ist als \u00e4ltestes \u00fcberliefertes Sinnbild der Bundschuh bekannt<sup>2<\/sup>. Der mit Riemen gebundene b\u00e4uerliche Schuh tauchte als Zeichen in der ersten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts auf<sup>3<\/sup>, verwendet als Symbol der b\u00e4uerlichen Be\u00adreitschaft, den Armagnaken abwehrbereit zu begegnen<sup>4<\/sup>. Sein Bedeutungsgehalt wan\u00addelte sich gegen Ende des Jahrhunderts. In der aufkommenden revolution\u00e4ren Bund\u00adschuhbewegung wurde der Bundschuhs&#8216; zum Symbol des Aufstandes gegen adlige und geistliche Herrschaft, bildlich fa\u00dfbar erstmals 1502 und dann 1514 \u00fcber Holzschnitte<sup>5<\/sup>. Des Bundschuhs versuchte sich Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg nach seiner Vertrei\u00adbung zu bedienen bei seinen Bem\u00fchungen, das Herzogtum wiederzugewinnen<sup>6<\/sup>. Dis\u00adkreditiert wurde damit des Bundschuhs b\u00e4uerlicher Widerstandsbezug. Auch als auf dem Wormser Reichstag von 1521 Hermann von dem Bussche den Gegner Luthers mit den Worten <em>Buntschuch, buntschuch, buntschuch<sup>7<\/sup><\/em> drohte, vertrat er nicht b\u00e4uerliche Interes\u00adsen. Dagegen war der urspr\u00fcngliche Sinngehalt dieses Symbols dem Petrarca-Meister noch so vertraut, da\u00df er es um 1520 wie selbstverst\u00e4ndlich in seinem Holzschnitt zum Kapitel <em>Von dem ha\u00df des volcks<\/em> in offensichtlich positiver Wertung einbrachte<sup>8<\/sup>. Mit negativer Wertung wurde der Bundschuh 1522 in der Flugschrift <em>Vom gro\u00dfen Lutheri\u00adschen Narren<\/em> verwandt<sup>9<\/sup>. Als Symbol b\u00e4uerlichen Widerstandswillens hatten Bild und Begriff jedoch 1525 offenkundig so stark an Bedeutung f\u00fcr die Aufst\u00e4ndischen verloren, da\u00df beim Bekanntwerden der Unruhen im Elsa\u00df und in Solothurn zwar seitens der Herren noch von der Gefahr eines \u203adrohenden Bundschuh\u2039 und von \u203aunchristlichen bundschuhischen Artikeln\u2039 gesprochen wurde<sup>10<\/sup>, als Sinnbild oder Zeichen wurde der Bundschuh aber seitens der Aufst\u00e4ndischen offenbar nur im M\u00fcnstertal, d.h. im alten Bundschuhbereich des Sundgaus, von den Bauern in der Grafschaft M\u00f6mpelgard und im n\u00f6rdlichen Lothringen \u00fcber die Fahne des Jo\u00df Fritz von 1517 verwandt<sup>11<\/sup>. Gr\u00fcnde f\u00fcr den Verzicht auf dieses Symbol in den anderen Bauernkriegsregionen sind nicht ak\u00adtenkundig geworden, es l\u00e4\u00dft sich nur spekulieren. Auszugehen ist einerseits davon, da\u00df sich die Bundschuhbewegung zuvor nicht in die Aufstandsregionen von 1525, nach Ober- und Mitteldeutschland, ausgeweitet hatte. Wenn ihr Symbol dort nicht vertraut oder zumindest bekannt geworden war, konnte von ihm kaum integrierende Wirkung ausgehen. Schon der \u203aArme Konrad\u2039 von 1514 in W\u00fcrttemberg hatte den \u203aBundschuh\u2039 nicht verwendet. Andererseits k\u00f6nnte auch den Bauern in ihrer Hoffnung, im Zeichen des G\u00f6ttlichen Rechts eine Wende in ihrer gesellschaftlichen Einordnung zu erreichen, ein Sinnbild ungeeignet erschienen sein, das sich \u00fcber religi\u00f6se Bilder auf den Bund\u00adschuhfahnen<sup>12<\/sup> zu jener Kirche bekannte, gegen deren soziale Rolle die Aufst\u00e4ndischen zentral aufbegehrten. Unbeschadet dieses Sachverhalts haben sp\u00e4tere Geschichtsschrei\u00adber, anderweitige Autoren und K\u00fcnstler den Aufst\u00e4ndischen von 1525 vornehmlich den Bundschuh als Symbol zugeschrieben. Dieses Ph\u00e4nomen ist m.E. historisch zu erkl\u00e4ren mit einer zahlreichen bildlichen und literarischen \u00dcberlieferung durch die Zeitgenossen, zu denen auch die um 1520 entstandenen, aber erst 1532 in der deutschen \u00dcbersetzung des \u203aGl\u00fccksspiegels\u2039 von Petrarca zu Augsburg erschienenen Holzschnitte des Petrarca-Meisters z\u00e4hlen, zumal dieses Werk mit seinen Bildern weitere Ausgaben erlebte<sup>13<\/sup>.<\/p>\n<p>Zu den \u00fcberlieferten Zeichen<sup>14<\/sup> z\u00e4hlten auch &#8211; gegebenenfalls wechselnde &#8211; ver\u00adschl\u00fcsselte Geb\u00e4rden und Losungsworte. Geb\u00e4rde war bei der Bundschuhbewegung das Handzeichen, den Daumen in der rechten Hand beschlossen zu halten und dabei zu sa\u00adgen \u203adas ist gut\u2039<sup>15<\/sup>. Das Losungswort spielte sich 1513 in Form von Frage und Antwort ab: \u203aGott gr\u00fc\u00df Dich Gesell, was hast Du f\u00fcr ein Wesen?\u2039 lautete die Frage, die zutref\u00adfende Antwort hie\u00df \u203aDer arm Mann in der Welt mag nit mehr genesen\u2039<sup>16<\/sup>. Derartige Ge\u00adsten sind notwendig im Falle eines Geheimbundes, folgerichtig sind sie aus dem Bau\u00adernkrieg nicht bekannt. Die Aufst\u00e4ndischen von 1525 verwandten Abzeichen, die sie zur gegenseitigen Erkennung offen an ihrer Kleidung befestigten<sup>17<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn von Zeichen der Bauern gesprochen wird, d\u00fcrfen die Bedeutung der Glocken und die Rolle von Trommeln und Pfeifen nicht \u00fcbersehen werden. Den Glocken<sup>18<\/sup> eignete im Sp\u00e4tmittelalter im Vergleich zur Gegenwart eine au\u00dferordentlich gro\u00dfe Wichtigkeit und Funktionsvielfalt, besonders auch im profanen Gebrauch. Sie standen unter der Verf\u00fcgungsgewalt der Obrigkeiten. Im profanen Bereich sie als Signalgeber zu verwen\u00adden, war auf dem Lande normalerweise Aufgabe der Amtleute einer Grundherrschaft oder einer Dorfgemeinde und im Falle einer Stadt des Rats: \u00bbIhr weitreichender m\u00e4chti\u00adger Klang symbolisierte mehr als andere im Mittelalter gebr\u00e4uchliche Signalinstrumente den Machtanspruch und Machtbereich des jeweiligen weltlichen oder geistlichen Grundherrn; in den Texten (der Weist\u00fcmer) wird der Glockenklang daher manchmal metaphorisch als akustisches Ma\u00df f\u00fcr die r\u00e4umliche Ausdehnung des beherrschten Ge\u00adbietes gebraucht\u00ab&#8216;<sup>9<\/sup>. Sie zu l\u00e4uten, besonders ihr Anziehen als Sturmglocke, war den Bauern untersagt. Nur im Notfall durften die Untertanen zum Alarm die Glocke schla\u00adgen. Die Bauern forderten daher in ihren Artikeln von 1525 das Recht, ohne Wissen der<br \/>\nAmtleute l\u00e4uten zu d\u00fcrfen, wenn es der Gemeinde notwendig erscheine<sup>20<\/sup>. Schon im Bundschuh und im Armen Konrad hatten sich Bauern der Glocken bedient, vor allem um zu Versammlungen zu rufen<sup>21<\/sup>. Sie wurden im Bauernkrieg besonders als Sturmglocken, aber auch als Signalinstrumente verwendet<sup>22<\/sup>, wobei die F\u00fchrer der Aufst\u00e4ndischen versuchten, durch Vorschriften unkontrolliertes L\u00e4uten zu verhindern<sup>23<\/sup>. Zugleich soll\u00adten Glocken nur im Interesse der Aufst\u00e4ndischen geschlagen werden, daher wurde sogar ihre Benutzung zu den traditionellen kirchlichen Anl\u00e4ssen untersagt<sup>24<\/sup>. Bei der Beset\u00adzung und Pl\u00fcnderung von Kl\u00f6stern wurden deren Glocken teilweise zerst\u00f6rt, aber auch als Beute genommen, die verkauft oder zur Herstellung von Waffen eingeschmolzen wurde<sup>25<\/sup>. Entsprechend diesem \u203aMi\u00dfbrauch\u2039 aus der Sicht der Herren oder st\u00e4dtischer R\u00e4te wurden nach dem Sieg der F\u00fcrsten in den Unterwerfungsartikeln besondere Arti\u00adkel \u00fcber das Glockenl\u00e4uten eingebracht, die \u00e4ltere Erlasse gegen das unbefugte L\u00e4uten der Glocke best\u00e4tigt. Signalgebung war und sollte alleiniges Obrigkeitsrecht bleiben<sup>26<\/sup>. Ausdr\u00fccklich wurde unter Strafandrohungen an Leib und Gut verboten, fortan durch L\u00e4uten die Gemeinde zusammenzurufen oder gar die Sturmglocke anzuschlagen. Wie ernst Herren und Stadtr\u00e4te den Gebrauch der Glocken durch die Aufst\u00e4ndischen be\u00adwerteten, erhellt sich daraus, da\u00df genaue Ermittlungen \u00fcber die Urheber des L\u00e4utens angestellt und Anstifter wie Ausf\u00fchrende bestraft wurden<sup>27<\/sup>. Vereinzelt wurden sogar Glocken gest\u00fcrzt oder Glockent\u00fcrme zerst\u00f6rt, damit fortan Glockenmi\u00dfbrauch ausge\u00adschlossen war. F\u00fcr b\u00e4uerliche Gemeinden erbrachte das Glockenrecht der Sieger zu\u00admindest einen Einschnitt in ihrem sozialen Leben, die Bedeutung der Glocken und die Erinnerung an den Kampf um die Glocken lebte bei ihnen vor allem \u00fcber Lieder weiter<sup>28<\/sup>.<\/p>\n<p>Trommel und Pfeife waren f\u00fcr die Landsknechte nicht nur Signal- und Verst\u00e4ndi\u00adgungsmittel und begleiteten sie beim Marsch und im Kampf, sondern auch \u00bbmusika\u00adlisches Symbol und Sinnbild f\u00fcr sich selbst und ihren siegreichen Kampf\u00ab, besa\u00dfen die Funktion einer \u00bbakustischen Fahne\u00ab<sup>29<\/sup>. In der Stadt kam vor allem der Trommel die Aufgabe eines Signalinstruments zu. Insofern war sie Herrschaftsger\u00e4t, dessen Mi\u00dfbrauch unter Strafe stand<sup>30<\/sup>. Im Bauernkrieg bem\u00e4chtigten sich die Aufst\u00e4ndischen in Kenntnis dieser herrschaftsbezogenen Funktionen der obrigkeitlich genutzten Signalinstrumente. Trommel und Pfeife gewannen f\u00fcr die Aufst\u00e4ndischen die Bedeutung eines Zeichens und Symbols in ihrem Kampf gegen die Herren. Wenn auch erst 1544 gestochen, arbeitete der Kupferstich <em>ACKER CONCZ. KLOS WVCZER. IM BAVERN KRIEG 1525<\/em> von Sebald Beham<sup>31<\/sup> diese zentrale Bedeutung von Trommel und Trommler wie von Fahne und Fahnentr\u00e4ger f\u00fcr die Bauern heraus. Da\u00df Trommler und Pfeifer im Kampf der Bauern gegen die Obrigkeiten eine wichtige Rolle zukam, hatte beispielsweise Erhard Sch\u00f6n bereits 1523 verbildlicht<sup>32<\/sup>. Von Anfang an waren die Aufst\u00e4ndischen bem\u00fcht, Trommler &#8211; seltener auch Pfeifer &#8211; auf ihre Seite zu ziehen<sup>33<\/sup>. Trommeln war ein wichtiges Mittel, eine Erhebung einzuleiten<sup>34<\/sup>. Wohl die Mehrheit der Haufen verf\u00fcgte \u00fcber diese Instru\u00admentenensemble, das dieselben Aufgaben zugewiesen erhielt wie bei den Lands\u00adknechten<sup>35<\/sup>. Wie f\u00fcr die Nutzung der Glocken wurden f\u00fcr das Schlagen der Trommel ebenso wie f\u00fcr das Verweigern, ihrem Klang zu folgen, Vorschriften erlassen<sup>36<\/sup>. Aus der bedeutenden Rolle der Trommler und Pfeifer folgerte, da\u00df die Herren und Stadtobrig\u00adkeiten nach ihrem Sieg diese M\u00e4nner ebenfalls besonders hart verfolgten und bestraften und f\u00fcr die Zukunft anstrebten, jedweden \u203aMi\u00dfbrauch\u2039 zu verhindern<sup>37<\/sup>. Nach versteck\u00adten Trommeln wurde ebenso gefahndet wie nach versteckten Fahnen<sup>38<\/sup>. Die Angst vor neuen Aufst\u00e4nden f\u00fchrte noch Jahre sp\u00e4ter zum Verbot von Veranstaltungen mit Trommeln und Pfeifen &#8211; ein Gebot, das tief in das b\u00e4uerliche Sozialleben eingriff.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>Hier noch zu ber\u00fccksichtigen ist eine \u203aKunstfigur\u2039<sup>39<\/sup> &#8211; der \u203aKarsthans\u2039 als Idee und Dar\u00adstellung<sup>40<\/sup>. Gemeint ist nicht der radikale reformatorische Prediger Hannes Maurer, genannt Karsthannes<sup>41<\/sup>, sondern der urspr\u00fcnglich im alemannisch-fr\u00e4nkischen Raum be\u00adnutzte Begriff mit dem Sinngehalt des groben Bauern, der unter [ &#8230; ]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/svz89RainerWohlfeil-Bauernkriege-Endzeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Weiterlesen &gt;&gt; vollst\u00e4ndiger Text mit Fu\u00dfnoten im pdf-Format \/ neuer Tab &gt;&gt;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof.Dr. R. Wohlfeil<br \/>BAUERNKRIEG: SYMBOLE DER ENDZEIT?<\/p>\n<p>Gesellschaftliche Bewegungen bed\u00fcrfen der Zeichen, Symbole und Bilder, die helfen zu integrieren, Identit\u00e4t zu schaffen, dauerhafte Bindungen zu vermitteln und aktives Han\u00addeln einzuleiten; Abzeichen dienen neben Geb\u00e4rden als \u00e4u\u00dferliche Erkennungsmerk\u00admale. Zeichen, Symbole und Bilder im Kontext des deutschen Bauernkrieges von 1525 zu ermitteln, zu beschreiben und historisch zu erkl\u00e4ren, stellt den ersten Schritt im Rahmen ihrer Analyse und Deutung dar. Die Aufgabe eines zweiten Schrittes ist es, mit dem methodischen Ansatz der Historischen Bildkunde nach ihrem Dokumentensinn zu fragen<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/svz89-bauernkrieg-symbole-der-endzeit\/\"><span>Weiterlesen &gt;&gt;<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1791,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[355,342,409,327,411,328,354,412],"tags":[440,417,428,441,363,432,431,362,429,346,430],"class_list":["post-1790","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bauernkrieg","category-deutschland","category-flugblaetter","category-fruehe-neuzeit","category-geschichtsquellen","category-historische-bildkunde","category-reformation","category-spaetmittelalter","tag-bauernkrieg","tag-bild-als-historische-quelle","tag-bundschuh","tag-flugblaetter","tag-fruehburgerliche-revolution","tag-glocken-und-trommeln","tag-karsthans","tag-reformation","tag-regenbogenfahne","tag-symbolik","tag-thomas-muentzer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1790"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1883,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1790\/revisions\/1883"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}