{"id":1596,"date":"2017-03-06T15:43:30","date_gmt":"2017-03-06T14:43:30","guid":{"rendered":"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/?p=1596"},"modified":"2019-05-19T12:18:42","modified_gmt":"2019-05-19T10:18:42","slug":"kriegsheld-oder-friedensfuerst_studie-des-bildprogramms-palast-karl-v-alhambra-granada","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/kriegsheld-oder-friedensfuerst_studie-des-bildprogramms-palast-karl-v-alhambra-granada\/","title":{"rendered":"Kriegsheld oder Friedensf\u00fcrst? <br>Eine Studie zum Bildprogramm des Palastes Karls V. in der Alhambra zu Granada"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadaponiente.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1458 alignleft\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadaponiente.jpg\" alt=\"L\u00e1m. 1, Granada, Palacio de Carlos V: Portada de poniente.\" width=\"311\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadaponiente.jpg 311w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadaponiente-125x200.jpg 125w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadaponiente-94x150.jpg 94w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/a><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\">Prof.em.Dr.Rainer Wohlfeil:<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><\/div>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/kriegsheld-oder-friedensfuerst_studie-des-bildprogramms-palast-karl-v-alhambra-granada\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kriegsheld oder Friedensf\u00fcrst?<\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0 Eine Studie zum Bildprogramm<br \/>\ndes Palastes Karls V.<br \/>\nin der Alhambra zu Granada<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gemeinsam sind Horst Rabe und mir nicht nur das Interesse an dem Zeitalter, das als Rahmenthema f\u00fcr diese Festschrift vorgegeben ist, sondern auch die intensivere Besch\u00e4ftigung mit einer der Pers\u00f6nlichkeiten, die zur historischen Bedeutung der Epoche beigetragen haben &#8211; Kaiser Karl V. Wir haben uns bem\u00fcht, ihn nicht nur aus dem Blickwinkel deutscher Geschichte zu erfassen, sondern ihn auch aus seiner Einbindung in die spa\u00adni\u00adschen Reiche zu erkl\u00e4ren, zu verstehen und zu deuten<a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a>. Wie Horst Rabe seinen Zugang zum Enkel Maximili\u00adans I. und des spanischen Katholischen K\u00f6nigspaars fand, ist mir nicht bekannt. Der eigene Weg er\u00adweist sich als ein Beispiel f\u00fcr den Wandel eines historischen Interesses im Banne von Zeit und Forschung, per\u00ads\u00f6nlichen Lebensbez\u00fcgen und ge\u00adsellschaftlichem Umfeld, so da\u00df mit dessen Reflexion mein Beitrag eingeleitet wird. Die Betrachtung ( I ) soll auf\u00adzeigen, in welchem Ma\u00dfe sich die erkenntnisleitende Fragestellung an ein ge\u00adschichtswissenschaftliches For\u00adschungsfeld im Laufe eines beruflichen Lebens als Historiker ver\u00e4ndert. Ein knapper Abri\u00df der Baugeschichte des Palastes Karls V. in der Alhambra zu Granada im Kontext zentraler Fra\u00adgen an ihren Bauherrn schlie\u00dft sich an ( II ). Sein Bauschmuck steht im Zentrum der Problemstellung ( III ), die mit einer Deutung im Rahmen einer historischen Reflexion abgeschlossen wird ( IV ).<\/p>\n<p>[ &#8230; ]<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/svz76RainerWohlfeil-Kriegsheld-Friedensfuerst.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Weiterlesen\u00a0 &gt;&gt;\u00a0 vollst\u00e4ndiger Text mit Fu\u00dfnoten im pdf-Format \/ neuer Tab\u00a0 &gt;&gt;]<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #234567;\"><em>bibliografischer Hinweis &#8211; <strong>svz 76<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #234567;\"><em>Rainer Wohlfeil: <strong>Kriegsheld oder Friedensf\u00fcrst?<br \/>\nEine Studie zum Bildprogramm des Palastes Karls V. in der Alhambra zu Granada<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #234567;\"><em>in: Recht und Reich im Zeitalter der Reformation. Festschrift f\u00fcr Horst Rabe, unter Mitarbeit von Bettina Braun und Heide Stratenwerth, hg. von Christine Roll, Frankfurt am Main 1996, 2.\u00fc<\/em><\/span><span style=\"color: #234567;\"><em>berarbeitete Auflage 1997, S. 57-96<\/em><\/span><\/h6>\n<hr \/>\n<p>[ &#8230; ]<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">I<\/h3>\n<p>Nach einer landes- und milit\u00e4rgeschichtlich orientierten Dissertation zum 19. Jahrhundert wies 1955 Peter Rassow mir als Stipendiaten des spanischen Consejo Superior de Investigaciones Cient\u00edficas den Weg zum Zeital\u00adter. Er regte an, in Madrid der Frage nachzusp\u00fcren, wie Karl V. und seine Regierung das Problem einer Herr\u00adschaft mittels Personalunion technisch bew\u00e4ltigt haben. Im Verlaufe dieser Untersuchung stie\u00df ich 1956 auf Studien von Fritz Walser zur Entwicklung und Organisation der kaiserlichen Kabinettsregierung, vor al\u00adlem auf eine hin\u00adterlassene unkorrigierte Durchschrift einer wahrscheinlich \u00e4lteren Fassung seiner ungedruck\u00adten, im Original verlorenge\u00adgangenen G\u00f6ttinger Habilitationsschrift von 1934. Das Werk eines aus dem Zwei\u00adten Weltkrieg nicht heimge\u00adkehrten Kollegen zur Ver\u00f6ffentlichung zu bringen, be\u00adtrachtete Percy Ernst Schramm als eine Eh\u00adren\u00adpflicht von Universit\u00e4t und Akademie der Wissenschaften in G\u00f6t\u00adtingen &#8211; eine Aufgabe, die ich 1956 \u00fcber\u00adnahm. In die von mir bear\u00adbeitete Abhandlung f\u00fcgte ich nicht nur die Ergebnisse der eigenen Studie zur Perso\u00adnalunion ein, sondern plan\u00adte sogar, die Arbeit weiterzu\u00adf\u00fchren<a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a>. Dazu kam es nicht, obgleich neben meinem auch gegen\u00adwartsbezogenen Interesse an Karl V. meine Neigung, mich mit seiner Geschichte weiterhin zu be\u00adfassen, in\u00adzwischen einen starken, bis heute wirkenden Schub von unerwarteter Seite erfahren hatte. Gegen\u00adwartsbezogen hie\u00df damals im Zusammenhang mit der von einer noch lebendigen Europa-Euphorie getragenen Idee, ein geeintes Europa zu schaffen, zu pr\u00fcfen, inwie\u00adweit Karl V. als einer ihrer Ahnherrn ange\u00adsehen werden k\u00f6nne<a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a>, hei\u00dft heute, ein Zeugnis &#8218;kaiserlicher Archi\u00adtektur&#8216; zu befragen, welche Vorstellungen mit dessen iko\u00adnographischem Programm, besonders mit zwei nach 1547 auf den inne\u00adren, d. h. den zentra\u00adlen Por\u00adtalpostamen\u00adten des Haupteingan\u00adges der drei\u00adtorigen Westfassade<a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a> einer kastilischen Residenz Karls V. entstan\u00addenen Halb\u00adreliefs aus Marmor mit inhaltlich identischem allegorischen Bildgehalt verbunden waren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadamediodia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1457 alignleft\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadamediodia.jpg\" alt=\"L\u00e1m. 2, Granada, Palacio de Carlos V: Portada del mediod\u00eda\" width=\"317\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadamediodia.jpg 317w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadamediodia-127x200.jpg 127w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/portadamediodia-95x150.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/a>Eine Andalusienreise im Fr\u00fchjahr 1956 f\u00fchrte in der Alhambra von Granada zu einer ersten Begegnung mit jenem Palast Karls V. Die nasridischen Bauten waren mir in ihrer Sch\u00f6nheit als bewunderswerte Zeugnisse ei\u00adner fremden Kultur erschienen, eine \u00fcberw\u00e4ltigende Faszination \u00fcbte jedoch jener Renaissancebau auf mich aus, den die Mehrheit der damals wenigen Besucher zumindest als Fremdk\u00f6rper, wenn nicht gar als st\u00f6\u00adrenden &#8218;Klotz&#8216; bis hin zu einem Ausdruck kultureller Barbarei in der \u00fcberwiegend maurisch bestimmten Ar\u00adchi\u00adtektur beurteilten und ihn so bis heute mehrheitlich zur Kenntnis nehmen<a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a>. Dagegen sah ich mich sofort mit einer &#8211; meiner ersten Einsch\u00e4tzung nach &#8211; architektonischen Verk\u00f6rperung des Selbstbewu\u00dftseins dieses Herr\u00adschers und seiner &#8218;Kaiseridee&#8216;<a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a> kon\u00adfrontiert. Das Bauwerk lie\u00df den Wunsch aufkeimen, mich ge\u00adschichtswissen\u00adschaft\u00adlich mit einem sol\u00adchen Dokument einer vergangenen historischen Wirklichkeit zu befassen. Noch hatte der Palast keine voll \u00fcber\u00adzeugende wissen\u00adschaftliche Bearbeitung erfahren, vor allem auch nicht sein bildhaue\u00adri\u00adscher Schmuck. Befra\u00adgungen vor Ort nach dem Thema der zwei mich seinerzeit besonders interessie\u00adrenden Reliefs auf den \u00e4u\u00dferen Portalpostamenten der Westfassade ergaben nur unklare Aussa\u00adgen wie &#8218;Szenen aus dem Tunis\u00adfeldzug von 1535&#8216; oder &#8218;die Schlacht bei Pavia 1525&#8216;<a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a>. Sie und andere kriegsbezogene Halbreliefs auf ihren historischen Gehalt hin zu analysieren und im Kontext des gesamten ikonographi\u00adschen Programms zu deuten, schwebte mir damals als Forschungsaufgabe vor &#8211; ein Untersuchungsfeld, das vor\u00adnehm\u00adlich un\u00adter mili\u00adt\u00e4rge\u00adschichtlicher Fragestellung<a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a> beackert werden sollte.<\/p>\n<p>Mich dieser Aufgabe zu widmen, gestattete mir nicht einmal die T\u00e4tigkeit am Milit\u00e4rgeschichtlichen For\u00adschungsamt von 1957 bis 1970<a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a>, geschweige denn mein Pflichtenkreis an der Hamburger Universit\u00e4t. Spani\u00adsche Geschichte mu\u00dfte an den Rand gedr\u00fcckt werden. In den Mittelpunkt der Arbeit trat seit 1971 die mir so\u00adwohl wis\u00adsenschaft\u00adlich als auch politisch notwendig erscheinende Auseinandersetzung mit der marxistisch-leni\u00adnisti\u00adschen Ge\u00adschichtswissenschaft der damaligen DDR \u00fcber das Zeitalter der Reformation mit einem Schwer\u00adpunkt in der Diskussion ihrer These von einer deutschen fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Revolution<a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a>. Dieser Meinungsaus\u00adtausch verlor an aktueller Bedeutung mit dem Ausklang des Lu\u00adthergedenkjahres 1983, jedoch sehe ich noch heute in jener These ein Erkl\u00e4rungsmodell, von dessen Er\u00f6rterung f\u00fcr die Reformationsgeschichte wissen\u00adschaftlich ebenso Impulse ausgegangen sind wie offenbar auch politische Wirkungen von meiner grunds\u00e4tzli\u00adchen Ge\u00adspr\u00e4chsbe\u00adreitschaft<a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a>. Wissenschaftlich erachtete ich nunmehr als wich\u00adtiger, den M\u00f6glichkeiten einer Nut\u00adzung von Bil\u00addern als geschichtswis\u00adsenschaftlichen Quellen nachzugehen<a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a>. Als Einstieg ergab sich im Kontext der Herausge\u00adbervorstellungen einer Festschrift f\u00fcr G\u00fcnther Franz noch einmal eine milit\u00e4rgeschicht\u00adlich orien\u00adtierte Studie zum Landsknechtstum<a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a>. Als die Geschichtswissenschaft der DDR im Zusammenhang mit der Nachr\u00fc\u00adstungspro\u00adblematik ihren Beitrag zur Friedensdebatte erbringen mu\u00dfte, bot die Historische Bild\u00adkunde 1986 auf einem in\u00adternationalen Kolloquium zu Leipzig einen Ansatz, in wissen\u00adschaftlicher Form das im da\u00admals ande\u00adren Deutschland suspekte Motiv der Waffenvernichtung durch Um\u00adschmieden gem\u00e4\u00df Jesaias 2,4 zur Diskussion zu stellen<a href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a>. Seine Thematisierung m\u00fcndete ein in die generelle Frage, welche Friedensvorstel\u00adlungen in ver\u00adgange\u00adnen historischen Wirklichkeiten sich aus ihren Bildern er\u00adschlie\u00dfen lassen. Antwer\u00adpen und Venedig in der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts zeigen auf, welche unter\u00adschiedlichen Gehalte mit dem Friedensbegriff ver\u00adbunden waren<a href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a>. Die Untersuchung \u00fcber Antwerpen f\u00fchrte zu\u00adgleich zur spanischen Ge\u00adschichte zur\u00fcck, die Ent\u00adbindung von akademischen Pflichten erm\u00f6glichte zudem, ur\u00adspr\u00fcngliche Forschungs\u00advorhaben zu reaktivie\u00adren &#8211; beispielsweise das Interesse am Palast Karls V. Eine Bestands\u00adaufnahme der neueren Literatur ergab je\u00addoch, da\u00df sich mit dem Bauwerk inzwischen mehrere Autoren befa\u00dft hatten<a href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a>, besonders aber von Earl E. Rosenthal eine beeindrucken\u00adde kunstgeschichtliche Stu\u00addie vorgelegt wor\u00adden ist, die sowohl von ihren Untersuchungen zum Ganzen wie zu Details als auch mit ihrer Einordnung des Bauwerks in \u00fcberge\u00adordnete Zusammenh\u00e4nge als Standardwerk bewertet werden darf<a href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a>. Als weitere wichtige Un\u00adtersuchung ist die Studie von Fernando Checa Cremades \u00fcber das zeitgen\u00f6ssische &#8218;Bild&#8216; von Karl V. als &#8218;Held&#8216; zu benennen<a href=\"#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Muehlbergizq.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1453\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Muehlbergizq.jpg\" alt=\"L\u00e1m. 6, Granada, Palacio de Carlos V: Portada de poniente, pedestal izquierdo. Batalla de M\u00fchlberg\" width=\"596\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Muehlbergizq.jpg 596w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Muehlbergizq-200x148.jpg 200w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Muehlbergizq-203x150.jpg 203w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Muehlbergizq-150x111.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><\/a>Unbeschadet dieser neuen For\u00adschungslage soll das ikonographische Programm untersucht werden unter der lei\u00adtenden Fragestel\u00adlung, welche Bedeutung hat die Allegorie an der Westfassade und welche Aussage eignet ihr? Nicht mehr den zwei Halbreliefs an den \u00e4u\u00ad\u00dferen, son\u00addern den an den inne\u00adren, und das hei\u00dft an den Hauptpor\u00adtalpostamenten, gilt mein zentrales Interesse. Um sie zu interpretieren, wird nicht nur der Bildschmuck des Palastes befragt werden, sondern auch der des unmittelbares Umfeldes &#8211; der &#8218;Puerta de las Granadas&#8216;, des Zu\u00adgangstores aus der Stadt zur Alhambra, und des &#8218;Pilar de Carlos V&#8216;, einer Brunnen\u00adanlage<a href=\"#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">II<\/h3>\n<p>Das monumentale Bauwerk aus Sandstein, dem an seiner Westfront ein von einer 3.60 Meter hohen S\u00e4ulen\u00adar\u00adkade umschlossener Vorplatz von 70 auf 42 Meter Ausma\u00df vorangesetzt werden sollte<a href=\"#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a>, entstand seit dem Fr\u00fchjahr 1533; gear\u00adbeitet wurde mit Unterbrechungen bis 1637, dennoch blieb es bis 1923 unvollendet<a href=\"#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a> &#8211; vor allem ohne Beda\u00adchung<a href=\"#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a>. Erst im letzten halben Jahrhundert wurde es gedeckt und restauriert<a href=\"#sdfootnote23sym\"><sup>23<\/sup><\/a>. Trotz dieser langen Bauzeit erscheint der zweige\u00adschossige Palast mit seinen geometrischen Formen &#8211; qua\u00addratischer Grund\u00adri\u00df von 63 Me\u00adtern Seitenl\u00e4nge und 17 Metern H\u00f6he mit Eing\u00e4ngen an jeder Front, runder Innenhof von etwa 42 Metern Durchmesser mit zwei ringf\u00f6rmigen Umg\u00e4ngen hin\u00adter einer dorischen bzw. ionischen S\u00e4ulen\u00adreihe<a href=\"#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a> &#8211; unbe\u00adschadet von einer f\u00fcr die oktogonale Kapelle<a href=\"#sdfootnote25sym\"><sup>25<\/sup><\/a> abgeschr\u00e4gten Ecke im Nordosten als ein ge\u00adschlossenes, harmo\u00adnisches Bau\u00adwerk<a href=\"#sdfootnote26sym\"><sup>26<\/sup><\/a>. Dieser Eindruck wird stark bestimmt durch die helle Einfarbigkeit eines Bauk\u00f6rpers, des\u00adsen Au\u00dfenfassaden im Unter\u00adgescho\u00df aus Bossenwerk mit kissenf\u00f6rmi\u00adgen, mit dem Stichel be\u00adarbeiteten Qua\u00addern (almohadillado), Pilastern im dorisch-toskanischen Stil und von Okuli \u00fcberh\u00f6hten recht\u00adeckigen Fenstern bestehen. Das Obergescho\u00df ist in seinen Pilastern dem ionischen Stil verpflichtet. West- und S\u00fcdportal sind teilweise aus Marmor, erweisen sich aber infolge der Gesteinsfarbe sowie von Wit\u00adterungs- und Umweltein\u00adfl\u00fcssen auf den gesamten Bau gegenw\u00e4rtig nicht als st\u00f6rende Fremdk\u00f6rper. Unvollendet blieb der Palast auch hinsichtlich seiner Dekoration, vor allem im Innenbau, und es ist unbekannt, welche sicher\u00adlich ikonographisch reiche Innenausstattung f\u00fcr die Residenz und den Wohnsitz eines Kaiserpaares vorgese\u00adhen war. Da\u00df im Verh\u00e4ltnis zwischen Architektur und Ausgestaltung der R\u00e4ume der Innenausstattung h\u00e4ufig ei\u00adne h\u00f6here Bedeutung als dem Au\u00dfenbau zugemessen wurde, ist ein vielfach bekannter Sachverhalt <a href=\"#sdfootnote27sym\"><sup>27<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Finanziert wurden die Arbeiten unter Karl V. aus einer erstmals 1534\/35 bewilligten Dotation, die bis zu ih\u00adrer Unterbre\u00adchung infolge des Mo\u00adriskenaufstandes von 1568 zun\u00e4chst in H\u00f6he von 8333 1\/3 Ducados, ab 1538 dann von 10000 Ducados aus einer j\u00e4hrlichen Abgabe von 80 000 Ducados bestritten wurde, welche die Mau\u00adren von Granada als Gegenleistung daf\u00fcr erbrachten, da\u00df Karl ihnen 1526 gestattet hatte, ihre Sprache beizu\u00adbehalten, sich in hergebrachten Formen zu kleiden und verschiedene Gebr\u00e4uche fortzuf\u00fchren<a href=\"#sdfootnote28sym\"><sup>28<\/sup><\/a>. Die Geldent\u00adwertung<a href=\"#sdfootnote29sym\"><sup>29<\/sup><\/a> schr\u00e4nkte den urspr\u00fcnglichen hohen Haushaltsansatz fortlaufend ein.<\/p>\n<p>Dieser Palast Karls V.<a href=\"#sdfootnote30sym\"><sup>30<\/sup><\/a> wurde zuletzt von Ignacio Henares Cuellar in die &#8218;andalusische Renaissance&#8216; eingeord\u00adnet<a href=\"#sdfootnote31sym\"><sup>31<\/sup><\/a>. In Spanien gab es bereits Bauten im Stil der Renaissance, weitere entstanden parallel zum Bau auf der Alhambra, aber sie erweisen sich als weitestgehend unbeeinflu\u00dft durch den Palast Karls V.<a href=\"#sdfootnote32sym\"><sup>32<\/sup><\/a>. Ein Grund da -f\u00fcr, da\u00df von ihm keine Anregungen auf Spanien und Europa ausgegangen sind, wird neben der lan\u00adgen Bauzeit darin gelegen haben, da\u00df die Alhambra seit der Einnahme der Stadt (1492) in ihrer Funktion als k\u00f6nigliche Festung, als Sitz des Generalkapit\u00e4ns des K\u00f6nigreiches Granada mit seinen Si\u00adcherungsaufgaben gegen\u00fcber ei\u00adner noch erheblichen maurischen Bev\u00f6lkerung und mit der Verteidigungsvor\u00adsorge gegen\u00fcber Bedrohungen aus dem islamischen Mittelmeerraum betraut<a href=\"#sdfootnote33sym\"><sup>33<\/sup><\/a> sowie als Standort der anda\u00adlu\u00adsischen Miliz &#8218;milit\u00e4risches Sperrgebiet&#8216; darstellte<a href=\"#sdfootnote34sym\"><sup>34<\/sup><\/a> und da\u00adher nicht allgemein zug\u00e4nglich war. Vielleicht h\u00e4tte er eine st\u00e4rkere zeitgen\u00f6s\u00adsische Relevanz und Rezeption erfahren, wenn der Kaiser nach 1526 noch ein weiteres Mal auf der Alhambra residiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Granada ist &#8211; gem\u00e4\u00df dem von Philipp III. mit der Geschichtsschreibung Karls V. beauftragten Benediktiner Prudencio de Sandoval &#8211; die spanische Stadt gewesen, die Karl V. besonders gut gefallen hat<a href=\"#sdfootnote35sym\"><sup>35<\/sup><\/a>. Ihre Alhambra lernte der junge Kaiser nach seiner Hochzeit mit Isabel von Portugal bei ihrem ersten und zu\u00adgleich letzten Be\u00adsuch 1526 kennen<a href=\"#sdfootnote36sym\"><sup>36<\/sup><\/a>. Sie als Zeichen des Triumphes \u00fcber den Islam auf spanischem Boden und zum ewigen Gedenken an dieses Ereignis zu erhalten, hatten seine Gro\u00dfeltern ihren Nachfolgern und auch die Mutter ih\u00adrem Sohn aufer\u00adlegt<a href=\"#sdfootnote37sym\"><sup>37<\/sup><\/a> &#8211; f\u00fcr Karl V. eine Verpflichtung, die einzuhal\u00adten uneingeschr\u00e4nkt seinem Wesen und seinem dynastischen Herr\u00adschaftsverst\u00e4ndnis als Habsburger entsprach. F\u00fcr den Kaiser hatte Granada 1526 jene Funktion, die danach un\u00adter Philipp II. dem El Escorial zukam &#8211; hier war die Familiengruft der Dynastie<a href=\"#sdfootnote38sym\"><sup>38<\/sup><\/a>: In der Capilla Real an der Kathedrale befand sich die Grab\u00adst\u00e4tte seiner spanischen Gro\u00dfeltern; in sie auch die sterbli\u00adchen \u00dcberreste seines Vaters Philipp aus Tordesillas zu \u00fcberf\u00fchren, ordnete Karl 1525 an<a href=\"#sdfootnote39sym\"><sup>39<\/sup><\/a>. 1526 be\u00adstimmte Karl, den Altarraum der Kathedrale als kaiserliches Mau\u00adsoleum f\u00fcr sich und seine Familie zu gestal\u00adten und trug damit entscheidend zu ihrem Weiterbau im Re\u00adnais\u00adsancestil bei<a href=\"#sdfootnote40sym\"><sup>40<\/sup><\/a>. In Granada wurde 1539 die in Toledo ver\u00adstorbene Kaiserin Isabel beigesetzt, 1546 lie\u00df Karl dorthin seine fr\u00fch verschie\u00addenen S\u00f6hne Juan und Fernando sowie seine Schwiegertochter Maria, erste Frau seines Soh\u00adnes Philipp, \u00fcberf\u00fchren<a href=\"#sdfootnote41sym\"><sup>41<\/sup><\/a>. Sp\u00e4ter fand seine Mutter Juana hier ihre letzte Ruhest\u00e4tte. Der Kaiser selbst hielt bis zu seinem Kodizill von 1558 an seiner testamenta\u00adrischen Bestimmung fest, in Granada beigesetzt zu werden<a href=\"#sdfootnote42sym\"><sup>42<\/sup><\/a>. Damit ist die hohe dynastische Be\u00addeu\u00adtung dieser Stadt f\u00fcr den Kaiser do\u00adkumentiert. Ihr stand entgegen, da\u00df der Palast der Nasriden wenig ge\u00adeignet erschien, als kai\u00adserliche Unterkunft zu dienen; besonders Isabel und der Hofstaat konnten sich 1526 nicht mit ihm anfreun\u00adden<a href=\"#sdfootnote43sym\"><sup>43<\/sup><\/a>. F\u00fcr k\u00fcnftige kai\u00adserli\u00adche Aufenthalte wurden daher zwischen 1528 und 1533 zu\u00adn\u00e4chst am Nordteil des nasridischen Palastes durch den kasti\u00adlischen Baumeister Luis de Vega die Gem\u00e4cher Karls V. &#8211; ein Anbau mit sechs R\u00e4umen &#8211; errichtet, damals als &#8218;quartos nuevos&#8216; bezeichnet<a href=\"#sdfootnote44sym\"><sup>44<\/sup><\/a>. Erwogen wurde zugleich der Plan &#8211; wahrschein\u00adlich schon seit 1526 -, ne\u00adben dem alten einen neuen Pa\u00adlast zu er\u00adbauen.<\/p>\n<p>Da zu keiner Zeit beabsichtigt war, Granada zum Zentrum des Gesamt\u00adreiches zu erheben<a href=\"#sdfootnote45sym\"><sup>45<\/sup><\/a>, stellt sich die Frage, aus welchem Grunde ein Palast derartigen Ausma\u00dfes erbaut werden sollte und welche politische Bedeu\u00adtung und Funktion mit ihm verbunden wurden. Unter den Voraussetzungen einer Herrschaft \u00fcber zahlreiche L\u00e4nder Europas mittels Perso\u00adnalunion &#8211; besonders auch im Ver\u00adh\u00e4ltnis zu den spanischen Reichen &#8211; konnte eine dauerhafte kastilische Residenz ebenfalls nicht beabsichtigt sein. F\u00fcr zeitlich begrenzte Aufenthalte eines noch unabdingbaren Reisek\u00f6nigtums h\u00e4tten die neuen Wohnr\u00e4ume im alten maurischen Palast aus\u00adgereicht. Grund, Bedeutung und Funktion ergaben sich daher aus einer programmatischen Zielsetzung. Zu ihrer Erkl\u00e4\u00adrung lie\u00adgen als am weitesten gefa\u00dfte Interpretationen die offenbar unabh\u00e4ngig voneinan\u00adder entwickelten The\u00adsen von Santiago Sebasti\u00e1n und Burchard Brentjes vor. Sebasti\u00e1n<a href=\"#sdfootnote46sym\"><sup>46<\/sup><\/a> erkl\u00e4rt die Verwendung der geometrischen Figuren des Kreises und des Quadrates als kosmisch deutbare Ausdrucksmittel, mit deren Verwendung der Palast Karls Herrschaft als Kaiser des Westens verbildlichen sollte. Noch einen Schritt weiter geht Brentjes<a href=\"#sdfootnote47sym\"><sup>47<\/sup><\/a>. Er deutet un\u00adter Be\u00adrufung auf historische Vorg\u00e4ngerbauten und ihren ideologischen Hintergrund die Grundformen des Bau\u00adwerkes ( Quadrat, Kreis, Oktogon)\u00a0 als symbolisch interpretierbare Fi\u00adguren, mit de\u00adnen der weltlich be\u00adgr\u00fcndete und g\u00f6ttlich sanktionierte Weltherrschaftsanspruch Karls V. augen\u00adf\u00e4llig angemel\u00addet worden sei. Unbeschadet dieser theoriebezogenen, universalmonarchisch orientierten Erkl\u00e4rungsmodelle ist den hi\u00adstorischen Be\u00addeu\u00adtungs- und Funktionszu\u00adschreibungen durch Rosenthal<a href=\"#sdfootnote48sym\"><sup>48<\/sup><\/a> und Checa Cremades<a href=\"#sdfootnote49sym\"><sup>49<\/sup><\/a> ein hoher Wahrschein\u00adlich\u00adkeitsgrad zuzusprechen. Nicht nur im Ver\u00adst\u00e4ndnis traditionel\u00adler Erinnerungs\u00admale an ein glorreiches Ge\u00adsche\u00adhen sei der Palast begr\u00fcndet und konzipiert wor\u00adden<a href=\"#sdfootnote50sym\"><sup>50<\/sup><\/a>, son\u00addern vor allem in der Absicht, den wei\u00adterhin islami\u00adsche Angriffe bef\u00fcrchtenden Spani\u00adern in Andalusien das Versprechen zu vermitteln, da\u00df der S\u00fcden der Iberi\u00adschen Halbinsel gegen mauri\u00adsch-t\u00fcr\u00adkische Angriffe ver\u00adtei\u00addigt werden w\u00fcrde<a href=\"#sdfootnote51sym\"><sup>51<\/sup><\/a>. Die Bedeutung dieses Sicherheitsbed\u00fcrfnisses kann nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden. Dar\u00fcber hinaus sollte der Palast die kaiserli\u00adche Kampf\u00adbereitschaft auch den christlichen Mittelmeerl\u00e4ndern und jenen Regionen des Heiligen R\u00f6mi\u00adschen Rei\u00adches vermitteln, die von den os\u00admanischen T\u00fcrken bedroht wurden. Der Palast im \u00e4u\u00ad\u00dfersten S\u00fcden seines Ge\u00adsamtrei\u00adches konnte allen Europ\u00e4ern ih\u00adre \u00c4ngste vor der Bedrohung aus dem islamischen Raum nehmen. Zu\u00adgleich konnte der Palast aber auch als ein &#8218;kaiserliches Signal&#8216; gegen\u00fcber Frankreich verstanden werden: Sein Baustil lie\u00df einerseits zu, Karl V. mit den r\u00f6mischen Kaisern zu ver\u00adgleichen<a href=\"#sdfootnote52sym\"><sup>52<\/sup><\/a>; andererseits verwies der Palast in seiner geome\u00adtrischen Formgebung in \u00dcbereinstim\u00admung mit der Architektur\u00adtheorie der Renais\u00adsance nicht nur auf die Kaiser\u00adidee, sondern auch auf die Einzigartigkeit des Kai\u00adsers im Kreise der europ\u00e4ischen Herr\u00adscher, nicht zuletzt durch die \u00fcber die geometrische Form des Kreises vermittelte Einbindung in den sakralen Bereich. Insgesamt symboli\u00adsierte das Bauvorhaben die F\u00e4higkeit Karls V., das Wesentliche zu erfas\u00adsen und al\u00adles ver\u00adn\u00fcnftig zu ordnen. Zudem er\u00adschien er als ein Herrscher, der \u00fcber immense Haushaltsmit\u00adtel verf\u00fcgte, denn da\u00df ein so gewaltiges Bauvorha\u00adben sehr teuer sein w\u00fcrde, war den Zeitgenossen bewu\u00dft<a href=\"#sdfootnote53sym\"><sup>53<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Auf die Planung und \u00dcberlegungen zur baulichen Gestaltung des neuen Palastes scheint der Kaiser kaum Ein\u00adflu\u00df genommen zu haben<a href=\"#sdfootnote54sym\"><sup>54<\/sup><\/a>. Generell begann sich Karl V. mit Fragen, die &#8222;unmittelbare Einwirkungen auf die seiner Person geltende Werbung&#8220; be\u00adtrafen<a href=\"#sdfootnote55sym\"><sup>55<\/sup><\/a>, offenbar erst seit seinem vier\u00adten Lebensjahrzehnt direkt zu be\u00adsch\u00e4ftigen, mit dem Medium &#8218;Kunst&#8216; seit seinem ersten Italien\u00adauf\u00adenthalt<a href=\"#sdfootnote56sym\"><sup>56<\/sup><\/a>; seither wirkte er sogar bei Entschei\u00addungen mit. Aber mit Kunst einschlie\u00dflich Architektur befa\u00dfte er sich vornehmlich aus praktischen und pro\u00adpagandistischen Er\u00adw\u00e4gungen, weniger unter \u00e4sthetischen Gesichtspunkten. Im Falle von Granada schwand sein Interesse nach 1550; Karl \u00fcberlie\u00df die Verantwortung f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung des Baues seinem Sohn, f\u00fcr den der Palast nur die Bedeutung einer kostspieligen und zugleich r\u00e4umlich abgelegenen Residenz neben an\u00adderen Bauten besa\u00df<a href=\"#sdfootnote57sym\"><sup>57<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend seine spanischen Gro\u00dfeltern in einer Zeit ersten Eindringens italienischer Anregungen noch den sp\u00e4tgoti\u00adsch-isabellinischen Baustil bevorzugt hatten<a href=\"#sdfootnote58sym\"><sup>58<\/sup><\/a>, \u00fcberlie\u00df Karl die Bestimmung des jeweili\u00adgen Baumei\u00adsters und die Durchf\u00fchrung eines Projektes meist den lokalen Baube\u00adh\u00f6rden<a href=\"#sdfootnote59sym\"><sup>59<\/sup><\/a>; ber\u00fccksichtigt werden mu\u00dfte jedoch, da\u00df seine politische Autorit\u00e4t bildlich sichtbar werden sollte. Hierf\u00fcr erschienen nicht die Formen jener fl\u00e4mischen Kunst geeignet, in der er aufgewachsen war, sondern die der Renaissance<a href=\"#sdfootnote60sym\"><sup>60<\/sup><\/a>. So \u00fcbertrug der Kaiser in Granada die architektonische De\u00admonstration seines Herrschaftsver\u00adst\u00e4nd\u00adnisses dem Burgvogt bzw. Gouver\u00adneur der Alhambra und zeitweiliger General\u00adkapi\u00adt\u00e4n des K\u00f6nigreiches Granada, Luis Hurtado de Mendoza, Marqu\u00e9s de Mond\u00e9jar und Graf von Tendilla (1515 &#8211; 1543)<a href=\"#sdfootnote61sym\"><sup>61<\/sup><\/a>. Ihm, einem Spro\u00df der dem Humanismus seit langem zutiefst verbunde\u00adnen Familie der Men\u00addoza, wird eine zentrale Bedeutung hin\u00adsichtlich der Konzeption des Palastes zugeschrie\u00adben: Hurtado de Mendoza gilt als der &#8218;Vater&#8216; des geistigen Entwurfs, dessen Grundlage seine Auffas\u00adsung war, Karl sei Nachfolger der Kaiser des antiken r\u00f6mischen Welt\u00adreiches<a href=\"#sdfootnote62sym\"><sup>62<\/sup><\/a>. Dieser Idee gem\u00e4\u00df sollte der Bau gestaltet werden, nicht zuletzt wohl in der Absicht, Kastilien-Spa\u00adnien eine neue Identit\u00e4t zu vermitteln. Unter dem ma\u00dfgeblichen Einflu\u00df von Luis Hurtado wurde Pedro Machuca mit der Aufgabe des Architekten (1528-1550) betraut<a href=\"#sdfootnote63sym\"><sup>63<\/sup><\/a> &#8211; ein Kastilier aus To\u00adledo, der um 1519\/20 aus Italien heimgekehrt war. Bei\u00adden M\u00e4n\u00adnern waren der &#8218;universale&#8216; Stil des &#8218;Alten Rom&#8216; und die Ge\u00addanken\u00adwelt der Renais\u00adsance so vertraut, da\u00df sie sich damit voll identifizierten<a href=\"#sdfootnote64sym\"><sup>64<\/sup><\/a>. Die Bauleitung hatte Ma\u00adchuca bis zu seinem Tode unter fortw\u00e4hren\u00adder Abh\u00e4ngig\u00adkeit von zwei aufeinanderfolgenden Gouverneuren aus dem Hause Mendoza inne; ihm folgte sein Sohn Luis Machuca (1550 &#8211; 1571)<a href=\"#sdfootnote65sym\"><sup>65<\/sup><\/a>; sp\u00e4ter \u00fcbernahm u.a. Juan de Minjares (1583 &#8211; 1599)<a href=\"#sdfootnote66sym\"><sup>66<\/sup><\/a> diese Auf\u00adgabe<a href=\"#sdfootnote67sym\"><sup>67<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Die Vorstellungen des Marqu\u00e9s de Mond\u00e9jar und Machucas entsprachen jener kaiserlichen Herrscheridee, die Karl V. und einen Teil der Mitglieder seiner ihm vertrauten st\u00e4ndigen Umgebung, an ihrer Spitze der Gro\u00df\u00adkanzler Gattinara, jedoch keineswegs alle seine Berater beseelte<a href=\"#sdfootnote68sym\"><sup>68<\/sup><\/a>. An der Diskussion um die Konzep\u00adtion f\u00fcr die Gestaltung des Palastes wa\u00adren au\u00dferdem kastilische Baumeister, vor allem Luis de Vega, gef\u00f6rdert durch Francisco de los Cobos<a href=\"#sdfootnote69sym\"><sup>69<\/sup><\/a>, den sp\u00e4teren Staatssekret\u00e4r Karls V., aber auch wei\u00adtere, vor allem humanistisch ge\u00adbildete Angeh\u00f6rige der kaiserli\u00adchen Re\u00adgierung im weiteren Sinne und der kastilischen Verwaltung be\u00adteiligt<a href=\"#sdfootnote70sym\"><sup>70<\/sup><\/a>. Entsprechend kontrovers d\u00fcrften die grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen gewesen sein. 1527 begann die aktive Pla\u00adnung. Eine unmittelbare Mitwir\u00adkung Karls ist w\u00e4hrend dieses Stadiums nur in zwei Einzelheiten nachweis\u00adbar: Neben einem gro\u00dfen Audienzsaal war ihm eine doppelgeschossige Kapelle wichtig, deren oberes Stock\u00adwerk der kai\u00adser\u00adlichen Familie die isolierte Teilnahme am Gottesdienst gestattete<a href=\"#sdfootnote71sym\"><sup>71<\/sup><\/a>. Sp\u00e4ter hat der Kaiser min\u00addestens zweimal in die Gestaltung des Baues eingegriffen (1542, 1548)<a href=\"#sdfootnote72sym\"><sup>72<\/sup><\/a>. Nach Rosenthal h\u00e4tte eine reine Verwirk\u00adlichung der urspr\u00fcnglichen Konzeption Machucas ein erstes Bauwerk im sog. Herrera-Stil erbracht<a href=\"#sdfootnote73sym\"><sup>73<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">III<\/h3>\n<p>Der Palast Karls V. war nicht nur die einzige offizielle k\u00f6nigliche Residenz, deren Bau vor 1540 von Anfang an im Stil der Renaissance begonnen wurde, sondern er ist zugleich in seinem programmatischen Anspruch und in seinen Aussagen zur Herrschaftsauffassung Karls V. ein einzigartiges Dokument politischer Ar\u00adchitek\u00adtur<a href=\"#sdfootnote74sym\"><sup>74<\/sup><\/a>. Zur Rolle und Bedeutung politischer Architektur geh\u00f6rt, da\u00df sie die Erwartungen jener aufgrei\u00adfen und er\u00adf\u00fcllen mu\u00df, an die als Zielgruppe sich diese Form der Herrschaftsvermittlung und -legitimierung richtet. Adressaten f\u00fcr die politischen Aussagen waren vor allem und zugleich unmittelbar die h\u00f6fische Gesell\u00adschaft und die Besucher des Hofes, die Gesandten anderer F\u00fcrsten und Staaten ebenso wie die Vertreter von Institu\u00adtionen aus den Herrschaftsgebieten des Kaisers, die Untertanen dagegen nur mittelbar.<\/p>\n<p>Der Palast ist das beste zeitgen\u00f6ssische Zeugnis in Spanien, wie sich \u00fcber architektonische Formen kaiserliche Macht repr\u00e4sentieren lie\u00df<a href=\"#sdfootnote75sym\"><sup>75<\/sup><\/a>. So eignete be\u00adsonders S\u00e4ulen ein hoher sinnbildhafter Wert<a href=\"#sdfootnote76sym\"><sup>76<\/sup><\/a>. Die S\u00e4ulenord\u00adnun\u00adgen der Au\u00dfenfronten und des Innenhofes<a href=\"#sdfootnote77sym\"><sup>77<\/sup><\/a> verbildlichten W\u00fcrde, St\u00e4rke und Tapferkeit, konnten besonders \u00fcber die dorischen S\u00e4ulen den Bauherrn mit Jupiter, Mars und Herkules identifizieren, brachten ihn auch in Verbindung zu den C\u00e4saren des alten Roms. Zugleich strahlte das Bossenwerk die Vorstellung von Kraft und Uneinnehmbarkeit, aber auch von Autorit\u00e4t aus. Diese Symbolik war den Angeh\u00f6rigen der po\u00adlitischen und gei\u00adstigen F\u00fchrungseliten im Umfeld des Kaisers gel\u00e4ufig<a href=\"#sdfootnote78sym\"><sup>78<\/sup><\/a>. Inwie\u00adweit die Bauplanung vor Bau\u00adbeginn be\u00adreits ein entsprechendes ikonographisches Programm f\u00fcr den Bauschmuck eingeschlos\u00adsen hatte, bleibt of\u00adfen. Ob von seiten Luis Hurtados und Pedro Machucas je\u00admals ein geschlossener Plan konzipiert wurde, ist unbekannt. Machuca hatte offen\u00adbar nur ein der Architektur ein\u00adgepa\u00dftes schlichtes ornamentales Dekor einzubringen be\u00adgonnen; der am Bau \u00fcber\u00adlieferte Schmuck wurde vor allem von dem lombardischen Bildhauer Niccol\u00f2 da Corte (+ 1552)<a href=\"#sdfootnote79sym\"><sup>79<\/sup><\/a> in \u00dcberein\u00adstimmung mit \u00cdnigo L\u00f3pez de Mendoza als neuem Gouverneur der Alhambra (1543 &#8211; 1580)<a href=\"#sdfootnote80sym\"><sup>80<\/sup><\/a> konzi\u00adpiert, von Niccol\u00f2 da Corte, von Machucas Schwiegersohn Juan de Orea (+ 1580) und von dem nur durch seine Werke zur Mitte des Jahrhun\u00adderts auf der Alhambra bekannten Flamen Antonio de Leval er\u00adarbeitet<a href=\"#sdfootnote81sym\"><sup>81<\/sup><\/a>. Sp\u00e4tere Bild\u00adwerke stammen u.a. von Andr\u00e9s de Ocampo<a href=\"#sdfootnote82sym\"><sup>82<\/sup><\/a>. \u00dcberkommen sind im Innenbau nur Ni\u00adschen, vor\u00adgesehen wahr\u00adscheinlich f\u00fcr Skulpturen, und Freir\u00e4ume f\u00fcr Medaillons usw., am Au\u00ad\u00dfenbau die Schmuckele\u00admente an der S\u00fcdfassade und an den Porta\u00adlen der westlichen Palastfront sowie am &#8218;Pilar de Carlos V&#8216;. Nach Rosenthal entstanden die Bildwerke mehr als Produkte der jeweiligen politischen Lage denn auf der Grundlage eines geschlos\u00adsenen ikonographischen Programms. Auch stehe ihre Mehrzahl nur in ei\u00adnem mittel\u00adbaren Zu\u00adsammenhang mit Karl V.; unmittelbar auf ihn bezo\u00adgen seien allein das S\u00e4ulenem\u00adblem, das Sinnbild des Or\u00addens vom Goldenen Vlie\u00ads und die Schlachtdar\u00adstellun\u00adgen<a href=\"#sdfootnote83sym\"><sup>83<\/sup><\/a>. Um diese Aussage zu \u00fcberpr\u00fcfen, bedarf es einer Be\u00adschreibung des Bauschmuckes in gebotener K\u00fcrze.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anillaleon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1446\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anillaleon.jpg\" alt=\"L\u00e1m. 3, Granada, Palacio de Carlos V: anilla de bronce\" width=\"597\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anillaleon.jpg 597w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anillaleon-200x152.jpg 200w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anillaleon-198x150.jpg 198w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anillaleon-150x114.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 597px) 100vw, 597px\" \/><\/a>W\u00e4hrend drei Leuchterhalter abhanden gekommen sind, die sich bis zum 18. Jahrhundert an den drei Ecken des Palastes befanden<a href=\"#sdfootnote84sym\"><sup>84<\/sup><\/a>, schm\u00fccken das Erdgescho\u00df seiner West-, S\u00fcd- und Ostfront Ringe aus Bronze mit ei\u00adnem Durchmesser von mehr als vierzig Zentimetern, gehalten durch den Schnabel eines Adlers oder von dem Rachen eines L\u00f6wen, von denen einige bereits 1542 an der S\u00fcdfront angebracht wurden<a href=\"#sdfootnote85sym\"><sup>85<\/sup><\/a>. Insgesamt sollen sich 53 Ringe am Bau befunden haben, nur 18 waren noch im 19. Jahrhundert erhalten; restauriert und er\u00adg\u00e4nzt durch Neu\u00adanfertigungen<a href=\"#sdfootnote86sym\"><sup>86<\/sup><\/a> befinden sich gegenw\u00e4rtig zehn Adler- und drei\u00dfig L\u00f6wenringe am Geb\u00e4ude. Die von Adlerschn\u00e4beln gehaltenen Metallringe gehen am unteren Ende in einen b\u00e4rtigen Kopf mit Fl\u00fcgeln \u00fcber. Die Ringe im Maul von L\u00f6wen setzen sich jeweils aus zwei halbrund gebogenen ionischen S\u00e4ulen zu\u00adsammen, jede von einem Band mit der Inschrift PLVS OVLTR bzw. LTRS OVPLV umschlungen<a href=\"#sdfootnote87sym\"><sup>87<\/sup><\/a>. So\u00adwohl \u00fcber das S\u00e4u\u00adlenemblem als auch \u00fcber die Devise in ihrer originalen franz\u00f6sischsprachigen Version &#8218;Plus Oultre&#8216; ist ein unmittelbarer Bezug zum kaiserlichen Bauherrn gege\u00adben<a href=\"#sdfootnote88sym\"><sup>88<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Diesen unmittelbaren, vielleicht von Karl V. selbst veranla\u00dften<a href=\"#sdfootnote89sym\"><sup>89<\/sup><\/a> Bezug vermitteln im Ober- bzw. Hauptge\u00adscho\u00df der drei Geb\u00e4udefronten auch zweiundvierzig Sinnbilder aus Sandstein in den Halbreliefs der Posta\u00admente, auf denen viereckige Pilaster ruhen<a href=\"#sdfootnote90sym\"><sup>90<\/sup><\/a>. Jeweils einundzwanzig der sich abwechselnden Bild\u00adwerke wei\u00adsen zwei S\u00e4ulen mit ionisch-klassischen Kapitellen auf, die eine Erdkugel gem\u00e4\u00df dem mittelalter\u00adlich-christli\u00adchen T-O-Schema rahmen<a href=\"#sdfootnote91sym\"><sup>91<\/sup><\/a>. Auf den Weltkugeln sitzt jeweils ein plastischer eink\u00f6pfiger Adler mit ausge-brei\u00adte\u00adten Schwingen &#8211; Adler, deren Kopfwendung und Fl\u00fcgelhaltung untereinander teilweise differieren. Die S\u00e4u\u00adlen sind ver\u00adbunden durch eine Banderole mit der Inschrift PLVS OVLTRE. Im Zen\u00adtrum der anderen einund\u00adzwanzig Halb\u00adreliefs durch\u00adkreuzen als zentrale Elemente zwei starke \u00c4ste in der Form eines Andreas\u00adkreuzes das Gesamtfeld, fin\u00adden sich im kro\u00adnenf\u00f6rmi\u00adgen Mittelfeld Feuerstein und Feu\u00aderstahl, schwebt oben die kaiser\u00adliche Krone \u00fcber ei\u00adnem aufgebrochenen Gra\u00adnatapfel und sind weitere Gra\u00adnat\u00e4pfel mit Blattwerk zu beiden Seiten des Andreaskreuzes ein\u00adgebracht. Unterhalb des Mittelfeldes findet sich eine Frucht, verein\u00adzel\u00adt auch ein h\u00e4ngendes Lamm. Diese Sinnbilder, das pers\u00f6nliche Emblem Karls V. (S\u00e4ulen des Herkules, Devise) und das herzoglich burgundische Em\u00adblem des Or\u00addens vom Goldenen Vlies, pr\u00e4sentieren sich in unge-w\u00f6hnlichen For\u00admen. Nicht ein heraldisch-doppelk\u00f6pfiger kaiserlicher Adler, sondern der Adler als r\u00f6misches Staatssymbol &#8211; Attribut des Iupiter Capitolinus, seit Marius verwendet in Form des Legionsadlers als Feldzeichen der r\u00f6mi\u00adschen Truppen &#8211; umschlie\u00dft mit seinen Krallen jenen Teil der Weltkugel, der Asien darstellt<a href=\"#sdfootnote92sym\"><sup>92<\/sup><\/a>. Unter den Erd\u00adteil Asien wurden noch die &#8218;westindischen&#8216; Entdeckungen subsumiert. In diesem Kontext ist der Zusam\u00admen\u00adhang zwi\u00adschen Weltkugel und r\u00f6mischem Adler zu deuten als das Versprechen des Kaisers, den kasti\u00adlischen Besitzun\u00adgen in Amerika jenen Schutz zukommen zu lassen, den die &#8218;pax romana&#8216; des r\u00f6mischen Welt\u00adreiches gew\u00e4hrt hatte, vielleicht sogar als ein Ausdruck kaiserlicher Bereitschaft, die Herrschaftsgebiete in &#8218;Westindien&#8216; zu er\u00adweitern. Offenkundig bewu\u00dft wurde hier das Zeichen der antiken r\u00f6mischen Weltherrschaft und nicht das Machtsym\u00adbol des Heiligen R\u00f6mischen Reiches deutscher Nation, der kaiserliche Doppeladler, eingebracht, ob\u00adgleich die\u00adser schon fr\u00fch durch Karl V. in Kastilien verwendet worden war<a href=\"#sdfootnote93sym\"><sup>93<\/sup><\/a>. Weltherrschaft und Kaisertum er\u00adscheinen damit als nicht deckungsgleich, die Vorstellung von einer Universalmonarchie deutet sich an, sie aber mit dem r\u00f6mischen Reich zu identifizieren, mu\u00dfte problematisch sein, weil bekannt war, da\u00df die r\u00f6mischen Kaiser keine &#8222;Monarchie des Erdkreises besessen&#8220; hatten<a href=\"#sdfootnote94sym\"><sup>94<\/sup><\/a>. Das Ordensemblem in seiner dagegen spezifisch sowohl auf das Kaisertum (Krone) wie auf Granada (Granatapfel = Wappen f\u00fcr das K\u00f6nigreich und der Stadt Granada) bezogenen Ausf\u00fchrung verband die Ordenszielsetzung, gegen den Islam bis zur R\u00fcckeroberung des Heiligen Landes zu k\u00e4mpfen, mit der symbolischen Bedeutung Granadas f\u00fcr den Kampf gegen die Mauren. Granada re\u00adpr\u00e4sentierte im Emblem den K\u00f6nig der spanischen Reiche, der hier zu\u00adgleich als Kaiser, Herzog von Burgund und Ordens\u00admeister ge\u00adgenw\u00e4rtig war und damit seine M\u00f6glichkeiten verk\u00fcndete, alle Kr\u00e4fte im Kampf gegen den Islam zu b\u00fcn\u00addeln<a href=\"#sdfootnote95sym\"><sup>95<\/sup><\/a>. Insgesamt vermittelte diese Kombination von r\u00f6mischen, kaiserlichen, burgun\u00addischen und kasti\u00adlisch-spanischen Zeichen auf den Sinnbildern das ideologisch-politische Programm des Kai\u00adsers, zu dem sich Karl V. pers\u00f6nlich uneingeschr\u00e4nkt bekannt haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Mit der Au\u00dfenmauer der S\u00fcdfront<a href=\"#sdfootnote96sym\"><sup>96<\/sup><\/a> hatte unter Machuca der Bau begonnen. Oberhalb ihrer eintorigen Portal\u00adfassade aus Mar\u00admor<a href=\"#sdfootnote97sym\"><sup>97<\/sup><\/a> befindet sich in einem Fries die Inschrift P (LVS) V (LTRA) IMP (ERATOR) CAES (AR) KAR (OLVS) V. P (LVS) V (LTRA), schon 1538 belegt<a href=\"#sdfootnote98sym\"><sup>98<\/sup><\/a>. Einen derartig unmittelbaren Bezug auf den Bau\u00adherrn, allerdings in verk\u00fcrzter Form<a href=\"#sdfootnote99sym\"><sup>99<\/sup><\/a>, enthalten auch die nicht repr\u00e4sentativ, sondern funktional ausge\u00adf\u00fchrten Fassaden der Eing\u00e4nge an der Ost- und Nordfront. Die Inschrift am S\u00fcdportal steht in gewisser Weise im Zentrum des Eingangsschmuckes. Das bildnerische Werk dieser Portalfassade, dessen Ausarbeitung mehr als ein Jahrzehnt beanspruchte, wird formiert durch zwei lie\u00adgende weibliche Figuren oberhalb des Dreieck\u00adgie\u00adbels &#8211; allegorische Verbildlichungen der <em>Victoria <\/em>mit ihren Attributen (Lorbeerzweig und -kranz, Palmblatt), begleitet von zwei gefl\u00fcgelten Knaben<a href=\"#sdfootnote100sym\"><sup>100<\/sup><\/a>. Das Tympanon des T\u00fcrgiebels f\u00fcllt eine Allego\u00adrie der <em>Abun\u00addantia<\/em> aus<a href=\"#sdfootnote101sym\"><sup>101<\/sup><\/a>, also eine Verbildlichung der Idee des \u00dcberflusses, die sich auch in den Girlanden aus Fr\u00fcchten und Blumen ihres Umfeldes und an den Fensterein\u00adrahmungen wiedergegeben findet, hier erwei\u00adtert ab\u00adwech\u00adselnd \u00fcber flachem Sims oder Dreiecksgiebel durch Putten mit Blumen, durch K\u00f6rbe und Vasen, ge\u00f6ffnete Gra\u00adnat\u00e4p\u00adfel, Jakobsmuschel und Seetiere, aber auch wieder durch Bez\u00fcge auf den Orden vom Goldenen Vlies<a href=\"#sdfootnote102sym\"><sup>102<\/sup><\/a>. Die je\u00adweils zwei kannelier\u00adten S\u00e4ulen mit ionischen Kapi\u00adtel\u00adlen zu beiden Seiten der T\u00fcr im Erdgescho\u00df, auf deren Zwischenplatten abermals die kaiserliche Devi\u00adse in ei\u00adnem runden Medaillon eingebracht ist, ruhen auf je ei\u00adnem Postament mit Halbreliefs an den Innen- und Au\u00dfenseiten, die ebenso wie die sich je\u00adweils anschlie\u00dfenden zwei weiteren Halbreliefs an der Vorderfront Dar\u00adstel\u00adlungen von Panzern und Helmen, Waffen und anderen Kriegsutensilien enthalten<a href=\"#sdfootnote103sym\"><sup>103<\/sup><\/a>. Ober\u00adhalb der Au\u00dfenre\u00adliefs liegt auf beiden Seiten der Au\u00dfens\u00e4ulen je einer der zwei zwischen 1564 und 1566 von Leval gearbeiteten L\u00f6\u00adwen<a href=\"#sdfootnote104sym\"><sup>104<\/sup><\/a>. \u00dcber der Portalfassade umrahmen im Ober- bzw. Hauptge\u00adscho\u00df vier S\u00e4ulenpostamente einen gro\u00dfen Wanddurchbruch in Form einer T\u00fcr mit Seitenfen\u00adstern und einem nach oben abschlie\u00dfendem Rundbogen. Ihre Halbreliefs &#8211; ausgef\u00fchrt von Niccol\u00f2 da Corte &#8211; enthalten mythologi\u00adsche Szenen: &#8218;<em>Neptun<\/em> (Poseidon) <em>beruhigt das Meer<\/em>&#8218;<a href=\"#sdfootnote105sym\"><sup>105<\/sup><\/a> und die &#8218;<em>Hochzeit von Neptun und Amphitrite<\/em>&#8218;<a href=\"#sdfootnote106sym\"><sup>106<\/sup><\/a>. Die Halbreliefs auf den schma\u00adlen Sei\u00adtenw\u00e4nden der vorkragenden Postamente verweisen aber\u00admals mit dem h\u00e4n\u00adgenden Schaf des Ordens vom Goldenen Vlies bzw. den S\u00e4ulen des Herkules und anderen Elementen auf die kaiserlichen Embleme. Im linken und rechten Feld \u00fcber dem Rundbogen halten zwei gefl\u00fc\u00adgelte menschliche Figu\u00adren mit der linken Hand jeweils eine Platte, von denen die rechte Ge\u00adstalt &#8211; auch ein Werk von Niccol\u00f2 da Corte &#8211; ihre Platte zu beschreiben scheint. Die Frauen sind Personifikationen von <em>Fama<\/em> und <em>Hi\u00adsto\u00adria<\/em><a href=\"#sdfootnote107sym\"><sup>107<\/sup><\/a>. Die beiden Kr\u00fcge oder Vasen zu F\u00fc\u00dfen der Halbfiguren sind bis\u00adher nicht eindeutig in\u00adterpre\u00adtiert wor\u00adden<a href=\"#sdfootnote108sym\"><sup>108<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>An der Westfront<a href=\"#sdfootnote109sym\"><sup>109<\/sup><\/a> &#8211; die eigentliche Schau- und gem\u00e4\u00df Rosenthal Palastseite des Kaisers, w\u00e4hrend die S\u00fcd\u00adsei\u00adte den Palastteil der Kaise\u00adrin darstellte &#8211; ist die in ihrer heutigen Form nicht der urspr\u00fcnglichen Kon\u00adzeption Machucas<a href=\"#sdfootnote110sym\"><sup>110<\/sup><\/a> entsprechende, aber noch von ihm entworfene und von seinem Sohn Luis ausgef\u00fchrte marmorne Fassade<a href=\"#sdfootnote111sym\"><sup>111<\/sup><\/a> in bei\u00adden Stockwerken durch jeweils drei T\u00fcren innerhalb einer zweigeschossi\u00adgen dop\u00adpel\u00adten Pila\u00adstergliederung durchbrochen: Im Hauptgescho\u00df weisen die Fensterausg\u00e4nge die gleiche Gr\u00f6\u00dfe auf wie die an\u00adderen Fen\u00adster; im Erdgescho\u00df er\u00f6ffnet ein gro\u00dfes, 5.30 Meter hohes Hauptportal mit beidseiti\u00adgen Nebenein\u00adg\u00e4ngen von et\u00adwa halber Gr\u00f6\u00dfe des mittleren Tores den Zugang zum Palast<a href=\"#sdfootnote112sym\"><sup>112<\/sup><\/a>. \u00dcber den T\u00fcren im Hauptge\u00adscho\u00df befinden sich oberhalb ihrer Gie\u00adbel drei gro\u00dfe Medaillons<a href=\"#sdfootnote113sym\"><sup>113<\/sup><\/a>, deren \u00e4u\u00dfere Halbreliefs links &#8218;<em>Herkules <\/em>(Herakles) <em>besiegt den nemeischen L\u00f6wen<\/em>&#8218; und rechts &#8218;<em>Herkules f\u00e4ngt den kretischen Stier<\/em>&#8218;<a href=\"#sdfootnote114sym\"><sup>114<\/sup><\/a> zum Thema ha\u00adben. Das mittlere Medaillon tr\u00e4gt das k\u00f6nigliche Wappen Philipps II., das in seiner Komposition eher an das Wappen Karls V. erinnert und dessen Einbindung des portugiesischen &#8218;escudete&#8216; im Zentrum des Wappens R\u00e4t\u00adsel aufgibt<a href=\"#sdfootnote115sym\"><sup>115<\/sup><\/a>. Dieser Teil der Por\u00adtalfas\u00adsade ent\u00adstand unter der Bauleitung von Juan de Minjares (1583-1599), die Halbreliefs wurden von Andr\u00e9s de Ocampo ausgef\u00fchrt<a href=\"#sdfootnote116sym\"><sup>116<\/sup><\/a>. Die Halbreliefs mit den Herkulesbez\u00fcgen ordnen sich in das Programm ein, das auf Karl V. ausgerichtet war<a href=\"#sdfootnote117sym\"><sup>117<\/sup><\/a>. Nach oben schlie\u00dft das Bau\u00adwerk in ei\u00adnem Kranzgesims mit L\u00f6wenk\u00f6pfen ab.<\/p>\n<p>Im Erdgescho\u00df<a href=\"#sdfootnote118sym\"><sup>118<\/sup><\/a> sind die mit je zwei M\u00e4nnerk\u00f6pfen zwischen delphinhaften Tieren ausgef\u00fcllten Dreiecks\u00adgie\u00adbel der Seitent\u00fcren von jeweils zwei Knaben mit Girlanden gekr\u00f6nt<a href=\"#sdfootnote119sym\"><sup>119<\/sup><\/a>, \u00fcber denen je ein gro\u00dfes Medaillon die Wandfl\u00e4che ausf\u00fcllt. In ihren Halbreliefs von 1563, skulptiert durch Antonio de Leval, sprengen jeweils drei Reiterkrieger in Richtung auf das Haupttor, begleitet von einem Bewaffneten zu Fu\u00df und einem springen\u00adden Hund &#8211; m\u00f6glicherweise eine Darstellung jenes Reiterverbandes der andalusischen Miliz, der auf der Al\u00adhambra stationiert war<a href=\"#sdfootnote120sym\"><sup>120<\/sup><\/a>. Auf dem Dreiecksgiebel des Haupt\u00adportals, ausgef\u00fcllt ebenfalls mit del\u00adphinhaften Tieren und nur einem M\u00e4nnerkopf in dem Medaillon, ruhen zwei gefl\u00fcgelte Frauen &#8211; beide Perso\u00adnifikationen der <em>Victoria<\/em><a href=\"#sdfootnote121sym\"><sup>121<\/sup><\/a>. Die Fassade des Erdgeschosses wird nach oben durch ein Metopen-Fries abgeschlossen. Es enth\u00e4lt abwechselnd Bukranien<a href=\"#sdfootnote122sym\"><sup>122<\/sup><\/a> &#8211; Halbreliefs von Rindersch\u00e4delskeletten &#8211; umrahmt von T\u00e4nien, Ro\u00adsetten und Triglyphen. Diese Metopen finden sich auch am \u00f6stli\u00adchen Tor und vor allem im In\u00adnen\u00adhof als Fries ober\u00adhalb der dorischen S\u00e4ulenreihe<a href=\"#sdfootnote123sym\"><sup>123<\/sup><\/a>. Bukranien, in der zentralen Bedeutung von Opfer und Ri\u00adtual im Ornamen\u00adtenschatz der griechisch-r\u00f6mischen Kultur ver\u00adwur\u00adzelt, schm\u00fcck\u00adten im antiken Rom zur Zeit des Au\u00adgustus als Symbole einer neuen &#8218;pietas&#8216; viele Geb\u00e4ude und Monumente, auch ein Herkulesheiligtum und die Ara Pacis Augustae<a href=\"#sdfootnote124sym\"><sup>124<\/sup><\/a>. Als beliebtes Friesornament rezipiert, kann das Bukranion als ein Sinnbild f\u00fcr den durch Pflicht\u00adgef\u00fchl und Gottesfurcht, Milde und Friedfertigkeit ausgezeich\u00adneten Herrscher gedeutet werden, stand auch in einem Bezug zur Herkulesverehrung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toisoncolumnar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1459\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toisoncolumnar.jpg\" alt=\"L\u00e1m. 4, Granada, Palacio de Carlos V: Emblemas de la Orden del Tois\u00f3n de Oro y columnar de Carlos V\" width=\"606\" height=\"463\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toisoncolumnar.jpg 606w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toisoncolumnar-200x153.jpg 200w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toisoncolumnar-196x150.jpg 196w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toisoncolumnar-150x115.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/a>Der Blick des Besuchers umfa\u00dft meist zun\u00e4chst die gesamte Westfassade, verweilt aber dann &#8211; beim Betreten des Palastes &#8211; an den 85 zu 198 cm gro\u00dfen Portalpostamenten der drei T\u00fcren. Die beiden \u00e4u\u00dferen so\u00adwie die schmaleren Seitenw\u00e4nde enthalten Halbreliefs mit Kriegsszenen<a href=\"#sdfootnote125sym\"><sup>125<\/sup><\/a>; diese Frontalbildwerke wurden von Ro\u00adsenthal nach eingehender Analyse \u00fcberzeugend interpretiert als Darstellungen des Sieges Karls V. \u00fcber Kur\u00adf\u00fcrst Johann Friedrich von Sachsen in der Schlacht bei M\u00fchlberg (24. April 1547)<a href=\"#sdfootnote126sym\"><sup>126<\/sup><\/a>. Welche Bedeutung die\u00adsem milit\u00e4ri\u00adschen Erfolg von den Zeit\u00adgenossen zugemessen wurde, offen\u00adbaren nicht nur zahlreiche schriftliche und gedruckte Zeugnisse<a href=\"#sdfootnote127sym\"><sup>127<\/sup><\/a>, son\u00addern auch Verbildlichungen aller Art &#8211; verwiesen sei beispielhaft auf das Rei\u00adterbildnis Karls V. von Tizian im Prado zu Ma\u00addrid, die Wandmalereien im &#8218;Palacio de Cabo de Armer\u00eda&#8216; zu \u00d3riz (Navarra) oder jenen Keramikteller mit einer Schilderung des Kamp\u00adfes beim Elb\u00fcbergang, der sich in der Er\u00admitage zu St. Petersburg befindet<a href=\"#sdfootnote128sym\"><sup>128<\/sup><\/a>. Das Programm der beiden Fron\u00adtalbilder wurde um 1548\/49 entworfen. In den le\u00adbendig wirkenden zwei Szenen des Kampfes bei M\u00fchlberg ist gem\u00e4\u00df Rosenthal im linken Halbrelief der Kaiser vergegenw\u00e4rtigt. Dieses wurde von Juan de Orea (1550), das rechte von Antonio de Leval (1553) ge- schaffen. Angeregt etwa 1547\/48 wahrschein\u00adlich vom Kaiser selbst, wurden die Bildwerke in ihren Grundz\u00fc\u00adgen noch von Pedro Machuca konzipiert<a href=\"#sdfootnote129sym\"><sup>129<\/sup><\/a> &#8211; nach Rosenthal der Schl\u00fcssel zum ikonographi\u00adschen Programm der T\u00fc\u00adren<a href=\"#sdfootnote130sym\"><sup>130<\/sup><\/a>. Sie beeindrucken, ja faszinieren den Betrachter, aber unmittelbar am Haupt\u00adportaleingang be\u00adgegnet er ei\u00adnem v\u00f6llig anderen Bild in zwei weitge\u00adhend \u00fcberein\u00adstimmenden Ausar\u00adbei\u00adtungen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Pazizqda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1455\" src=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Pazizqda.jpg\" alt=\"L\u00e1m. 8, Granada, Palacio de Carlos V: Portada de poniente, pedestal izquierdo. Alegor\u00eda de la Paz.\" width=\"593\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Pazizqda.jpg 593w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Pazizqda-200x151.jpg 200w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Pazizqda-199x150.jpg 199w, https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Pazizqda-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/a>Im Zentrum dieser beiden Halbreliefs<a href=\"#sdfootnote131sym\"><sup>131<\/sup><\/a> &#8211; das linke als erstes etwa 1551 von Juan de Orea, das rechte von An\u00adtonio de Leval ebenfalls um 1551 gearbeitet<a href=\"#sdfootnote132sym\"><sup>132<\/sup><\/a> &#8211; befindet sich eine mit Meridiankreis und Parallellinien verse\u00adhene Erdkugel<a href=\"#sdfootnote133sym\"><sup>133<\/sup><\/a>. Sie enth\u00e4lt auf dem linken Relief eine Darstellung der Kontinente mit der Besonderheit, da\u00df die S\u00e4ulen des Herkules von der Meerenge bei Gibraltar zu den Erdpolen verlagert sind. \u00dcber jeder Erdkugel schwebt eine Kaiserkrone, flankiert in symmetrischer Ordnung zu beiden Seiten von je einer S\u00e4ule mit ioni\u00adschem Kapitell. Die S\u00e4ulen sind unterhalb der Kapitelle verbunden durch eine Banderole mit der kaiserlichen Devise PLV S.OVL TRE als Aufschrift. Die S\u00e4u\u00adlen ruhen auf dem jeweils ihnen zugewandten Oberschenkel von zwei Frauen, die neben den Au\u00dfenseiten der S\u00e4ulen offenbar auf R\u00fcstungsteilen sitzen und mit einer Hand den S\u00e4u\u00adlenschaft erfassen. Mit ihrem seitw\u00e4rts ausgestreckten Arm halten sie in der Hand zwi\u00adschen Daumen und Zei\u00adgefinger einen senk\u00adrecht erhobenen, nach innen sich neigenden Olivenzweig. Ihr Haar schm\u00fcckt ein Lorbeer\u00adzweig, ihre faltenreiche lockere Gewandung l\u00e4\u00dft Busen und Bauchnabel sichtbar werden. \u00d6lzweig und Lorbeer sind Attribute der <em>Pax<\/em> &#8211; Personifikation des Friedens<a href=\"#sdfootnote134sym\"><sup>134<\/sup><\/a>. Zu beiden Seiten dieser Mittelgruppe z\u00fcnden in den Ecken des unteren Bildrandes gefl\u00fcgelte Knaben mit jeweils einer Fackel \u00fcber angeh\u00e4uften Waffentei\u00adlen, wohl Kriegsbeute, das Tuch einer Fahne an, deren Schaft zusammen mit Speeren unterhalb der Sitzstellen der Frau\u00aden endet. In den oberen Ecken fliegen geschwind &#8211; ihre Haare und Gew\u00e4nder flattern im Zugwind &#8211; zwei Ge\u00adstalten heran &#8211; eher als <em>Fama, <\/em>r\u00f6mische Personifikation der Kunde<a href=\"#sdfootnote135sym\"><sup>135<\/sup><\/a><em>, <\/em>denn als <em>Victoria <\/em>zu deu\u00adten<a href=\"#sdfootnote136sym\"><sup>136<\/sup><\/a><em>, <\/em>die mit voller Kraft auf leicht S-f\u00f6rmig gebogenen Trompeten blasen. Die trichterf\u00f6rmigen M\u00fcndungen dieser mittelal\u00adterlichen Businen<a href=\"#sdfootnote137sym\"><sup>137<\/sup><\/a> beschallen direkt die Mittelgruppe.<\/p>\n<p>Insgesamt handelt es sich um eine Friedensallegorie. Da\u00df sich in ihrem zentralen Bildteil zwei Frauen befin\u00adden, ist bei Friedensallegorien keine Besonderheit. Am h\u00e4ufigsten sind Zusammenordnungen von <em>Iustitia <\/em>und <em>Pax <\/em>sowie von <em>Pax<\/em> und <em>Abundantia<\/em><a href=\"#sdfootnote138sym\"><sup>138<\/sup><\/a>. Meine umfangreiche Materialsammlung zu Friedensallegori\u00aden<a href=\"#sdfootnote139sym\"><sup>139<\/sup><\/a> weist jedoch kein weiteres Beispiel eines zwillinggleichen Paares auf, dessen jede einzelne Frau <em>Pax <\/em>ver\u00adk\u00f6rpert. Da\u00df Waffen angez\u00fcndet werden, ist ein Bildge\u00addanke, der sich im Alten Testament findet und dann seit der Renais\u00adsance vor al\u00adlem als mo\u00adtivlicher R\u00fcckgriff auf die r\u00f6mische Verbildli\u00adchung der <em>Pax Augusta<\/em><a href=\"#sdfootnote140sym\"><sup>140<\/sup><\/a> ver\u00adwendet wurde.<\/p>\n<p>Zur Gesamtdeutung dieser Friedensallegorie im Kontext des ikonographischen Programms bedarf es noch eines knappen Blickes auf die &#8218;Puerta de las Granadas&#8216; und den &#8218;Pilar de Carlos V&#8216;. &#8211; Erst seit dem 18. Jahrhundert als &#8218;Puerta&#8216; bezeichnet, \u00f6ffnet der im Laufe der Zeit mehrfach ver\u00e4nderte Triumphbogen im Renaissancestil mit drei Durchg\u00e4n\u00adgen den Zugang zum Alhambrabezirk von der Stadt her<a href=\"#sdfootnote141sym\"><sup>141<\/sup><\/a> und ersetzte damit den ur\u00adspr\u00fcng\u00adlich zweiten maurischen Zugang durch das Bib-Leuxar<a href=\"#sdfootnote142sym\"><sup>142<\/sup><\/a>. Erbaut wahrscheinlich zwischen 1545 und 1548 durch Pedro Machuca, zeigt das Tor zur Stadtseite hin<a href=\"#sdfootnote143sym\"><sup>143<\/sup><\/a> das kaiserliche Wappen mit einem doppelk\u00f6pfigen kaiserli\u00adchen Adler unter einer Krone mit Mitra, damals flankiert von allegorischen Verbildlichungen der <em>Pax<\/em> und der <em>Abundantia, <\/em>geschm\u00fcckt au\u00dferdem mit drei \u00fcbergro\u00dfen, sich \u00f6ffnenden Granat\u00e4pfeln<a href=\"#sdfootnote144sym\"><sup>144<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Das kaiserliche Wappen mit heraldischem doppelk\u00f6pfigen Adler \u00fcberw\u00f6lbt auch den Schmuck am &#8218;Pilar&#8216;. An dieser Brun\u00adnenanlage unterhalb der Puerta de la Justicia<a href=\"#sdfootnote145sym\"><sup>145<\/sup><\/a>, entworfen von Pedro Machuca, in ihrem Bau\u00adschmuck wahr\u00adscheinlich auf eine Kon\u00adzeption des neuen Gouverneurs \u00cdnigo L\u00f3pez de Mendoza zur\u00fcckzuf\u00fch\u00adren, wurden die Reliefarbeiten von Niccol\u00f2 da Corte um 1547 ausgef\u00fchrt. Zwei Funktionen waren dem Brun\u00adnen zugedacht: In erster Linie diente er als Pferdetr\u00e4nke und zweitens stabilisierte er als Gesamtanlage die Ein\u00adgangs\u00adfront zur Puerta de la Ju\u00adsticia<a href=\"#sdfootnote146sym\"><sup>146<\/sup><\/a>. In seiner Gestaltung ist dieser Brunnen ein eindrucksvolles Bauwerk der Renaissance, das bereits vor dem Betreten des zentralen Palastgel\u00e4ndes kaiserliche Macht und W\u00fcrde aus\u00adstrahlt. An\u00adl\u00e4\u00dflich eines Besuches der Al\u00adham\u00adbra durch Philipp IV. wurde ein gro\u00dfer Teil der inzwischen stark be\u00adsch\u00e4dig\u00adten Sandstein\u00adarbeiten 1624 von Alonso de Mena neu geschaffen, wobei das alte Programm als Vor\u00adlage diente. Ei\u00adne letzte Renovierung fand im sieben\u00adten Jahrzehnt dieses Jahr\u00adhunderts statt. Die zentra\u00adle Funk\u00adtion der Was\u00adser\u00adabgabe in einen Trog vor einer Wand aus Sandstein von etwa 20 Metern in der Breite und 6.80 Me\u00adtern in der H\u00f6he, untergliedert durch sechs dori\u00adsche Pilaster<a href=\"#sdfootnote147sym\"><sup>147<\/sup><\/a>, gew\u00e4hrleisten als Speier zwei von Putten um\u00adarmte Del\u00adphine, zwei nackte Knaben mit Schneckengeh\u00e4usen, zwei Wasserr\u00f6hren unterhalb der beiden Wap\u00adpen\u00adschilder des Grafen von Tendilla sowie drei maskenhafte M\u00e4nnerk\u00f6pfe, die von links nach rechts die gra\u00adnadi\u00adnischen Fl\u00fcsse bzw. drei Jahreszeiten, den Genil oder den Som\u00admer, den Beiro oder den Fr\u00fchling und den Darro oder den Herbst symbolisieren. Unterhalb des kaiserlichen Wap\u00adpens mit Adler und der Devise PLVS OVLTRE auf ge\u00adwellt flatternden Banderolen, bekr\u00f6nt von ei\u00adnem Engel, findet sich die Inschrift IMPERATORI CAESARI \/ KAROLO QVINTO \/ HISPANIARVM \/ REGI, flankiert beid\u00adseitig von den heraldischen Sinnbil\u00addern Karls, links dem pers\u00f6nlichen Emblem, u.a. erneut mit dem r\u00f6mischen Adler auf der Erdkugel zwischen den S\u00e4ulen des Herkules, rechts dem Emblem des Or\u00addens vom Gol\u00adde\u00adnen Vlies. Zu den wei\u00adteren Schmuckele\u00admenten geh\u00f6\u00adren zwei Granat\u00e4pfel. Die wohl wichtigste Bedeutung im Rahmen ihres ikono\u00adgraphi\u00adschen Pro\u00adgramms eignet aber im oberen Drittel der Wand den &#8211; heute teilweise bis zur Unkenntlichkeit verwit\u00adter\u00adten &#8211; Sandstein-Halbre\u00adliefs in vier Medaillons mit mythologischen Themen und den ihnen verbunden gewe\u00adsenen In\u00adschriften. Von links nach rechts sind dargestellt: <em>Herkules t\u00f6\u00adtet die Hydra von Lerna<\/em><a href=\"#sdfootnote148sym\"><sup>148<\/sup><\/a> ( In\u00adschrift: Non me\u00admorabitur vltra ) &#8211; entweder der <em>Raub der Europa<\/em><a href=\"#sdfootnote149sym\"><sup>149<\/sup><\/a> oder <em>Phrixos und Helle auf dem Widder mit dem goldenen Vlies<\/em><a href=\"#sdfootnote150sym\"><sup>150<\/sup><\/a> ( In\u00adschrift: Imago mysticae honoris ) &#8211; <em>Apollon und Daphne<\/em> ( In\u00adschrift: A Sole fu\u00adgante fugit) &#8211; <em>Alex\u00adander der Gro\u00dfe z\u00e4hmt Bucephalus<\/em> ( Inschrift: Non sufficit orbis ).<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">IV<\/h3>\n<p>In der eindrucksvollen Gro\u00dfartigkeit des Baues wie aus einem Gu\u00df<a href=\"#sdfootnote151sym\"><sup>151<\/sup><\/a> entsprach der Palast in seiner Ausstrah\u00adlung von kaiser\u00adli\u00adcher W\u00fcrde, von Autorit\u00e4t und Hoheit, von Macht und Herrschaft gem\u00e4\u00df Rosenthal jenem heroischen Bild, in dem sich Spanien w\u00e4hrend der ersten zwei Drittel des 16. Jahrhunderts widerge\u00adspiegelt gesehen habe<a href=\"#sdfootnote152sym\"><sup>152<\/sup><\/a>. Diese Deutung beruht offensichtlich auf der Annahme, da\u00df sich Kastilien &#8211; es ist histo\u00adrisch zu\u00adtreffender von Kasti\u00adlien als von Spanien zu sprechen &#8211; w\u00e4hrend der gesamten Regierungs\u00adzeit Karls V. ein \u00fcberliefertes Selbstverst\u00e4ndnis ungebrochen bewahrt habe. Diese These trifft nicht zu. Zum Zeitpunkt des habs\u00adburgischen Herrschaftsantritts identifizierten sich die Kastilier voller Stolz auf ihre Erfolge im Kampf gegen die Mauren, \u00fcber die Entdeckung &#8218;Westindiens&#8216; und \u00fcber dessen beginnende Kolonisation mit jener Vorstellung von einer von jedweder fremden Gewalt unabh\u00e4ngigen &#8218;Nation&#8216;, die ihnen \u00fcber die Katholischen K\u00f6nige und deren politisches Werk vermittelt worden war. Daher wehrte sich Kastilien in den ersten Regierungsjahren Karls dagegen, da\u00df sein K\u00f6nigtum einem fremden Kaisertum nachgeordnet zu werden drohte und da\u00df ganz all\u00adgemein ausl\u00e4ndische Institutionen an die Stelle der \u00fcberlieferten eigenen traten<a href=\"#sdfootnote153sym\"><sup>153<\/sup><\/a>. Diese Auseinanderset\u00adzun\u00adgen sind ein Beleg f\u00fcr die Problematik, die der dynastischen Politik innewohnte<a href=\"#sdfootnote154sym\"><sup>154<\/sup><\/a>. Die Kastilier erkannten zwar den jungen Habsburger als ihren K\u00f6nig an, jedoch nicht als &#8218;Karl V.&#8216;, sondern als &#8218;Carlos I&#8216;<a href=\"#sdfootnote155sym\"><sup>155<\/sup><\/a>. Als Karls vertrauter kastilischer Ratgeber Bischof Pedro Ru\u00edz de la Mota vor den ka\u00adstilischen Cortes zu Santiago &#8211; La Coruna anl\u00e4\u00dflich der Ab\u00adreise des K\u00f6nigs zur Aachener Kr\u00f6nung am 31. M\u00e4rz 1520 in einer Rede versuchte, angesichts des sich bereits abzeichnenden Auf\u00adstandes der Comuneros den christlich-universalen Charakter des Imperium Romanum mit dem ka\u00adstilischen Selbstverst\u00e4ndnis zur Deckung zu bringen, verwandte er Formu\u00adlie\u00adrungen, die Ram\u00f3n Men\u00e9ndez Pidal als \u00fcbereinstimmende \u00dcber\u00adzeu\u00adgung von F\u00fcrst und Berater wer\u00adtet<a href=\"#sdfootnote156sym\"><sup>156<\/sup><\/a> und damit ih\u00adre funktionale Rolle im Kontext politischen Tagesge\u00adschehens ver\u00adkennt<a href=\"#sdfootnote157sym\"><sup>157<\/sup><\/a>. Nach Men\u00e9ndez Pidal hatte sich der junge K\u00f6nig mit einem Herr\u00adschaftsverst\u00e4ndnis identifiziert, das gepr\u00e4gt war durch das Vorbild seiner spanischen Gro\u00dfeltern und das die Aufgaben und Pflichten seines Kaiser\u00adtums aus der nationalen Tradi\u00adtion ei\u00adner ka\u00adstilischen &#8218;idea imperial&#8216; herleitete. Auf Ka\u00adstilien bezogen ak\u00adzeptierte diese \u00dcberlieferung weder eine Ein- oder gar Unterordnung in das Sacrum Romanum Imperium noch eine uni\u00adver\u00adsali\u00adsti\u00adsche Politik in dessen Kontext. Eine derartige Tradition ent\u00adsprach jedoch nicht dem Selbstverst\u00e4ndnis des habsburgi\u00adschen Spros\u00adses &#8211; unbeschadet der Pro\u00adblematik, ob dieses sich vornehmlich aus einem durch sein mannig\u00adfaltiges Erbe gepr\u00e4gten Bewu\u00dftsein speiste und aus einer entspre\u00adchenden Haus- und Familienpolitik und nachfolgender dy\u00adnasti\u00adscher Welt\u00adpolitik im Sinne der Interpre\u00adta\u00adtion von Karl Brandi herleiten l\u00e4\u00dft<a href=\"#sdfootnote158sym\"><sup>158<\/sup><\/a>, ob es bestimmt war von der mit\u00adtelal\u00adter\u00adlichen sa\u00adkralen Kai\u00adsertradi\u00adtion gem\u00e4\u00df der Deu\u00adtung seiner Leitvorstellungen durch Peter Rassow<a href=\"#sdfootnote159sym\"><sup>159<\/sup><\/a> oder dem Leitbild einer &#8218;Monarchia Universalis&#8216; folgte<a href=\"#sdfootnote160sym\"><sup>160<\/sup><\/a>. Da\u00df das Herr\u00adscherbewu\u00dft\u00adsein des jungen Habsbur\u00adgers auch aus anderen Wurzeln gespeist sein konnte als aus einer unmittelbaren R\u00fcckbesinnung auf die antiken r\u00f6mischen Kaiser und ihre Tradition, wird von Rosenthal kaum erwogen<a href=\"#sdfootnote161sym\"><sup>161<\/sup><\/a>. Er argumen\u00adtiert auf der Basis der s\u00fcdeurop\u00e4isch-spanischen Interpretation, weniger auf der angel\u00ads\u00e4chsischen, und hat die mittel\u00adeu\u00adrop\u00e4ische Sicht offenbar nicht zur Kenntnis ge\u00adnommen<a href=\"#sdfootnote162sym\"><sup>162<\/sup><\/a>. Zu\u00adgleich re\u00adflek\u00adtiert er kaum, da\u00df im Verlauf der nachfolgen\u00adden Jahre nicht nur die Ka\u00adstilier im Umfeld der kaiserlichen Berater und Mitar\u00adbeiter, son\u00addern auch ein weiterer Kreis in Kastilien ein\u00adschlie\u00dflich der Cortes die universale Poli\u00adtik Karls V. nicht nur hin\u00adnahmen, son\u00addern all\u00adm\u00e4h\u00adlich akzeptierten, sogar bejah\u00adten und sich zuletzt mit ihr so identifizier\u00adten, da\u00df sie dem Kaiser ma\u00adteriell und personell bei der Bew\u00e4ltigung seiner Weltpolitik halfen und diese ein\u00adschlie\u00dflich der Bek\u00e4mp\u00adfung der &#8218;lutherischen H\u00e4resie&#8216; als nationale Ver\u00adpflichtung begriffen. Im Vergleich zu den Anf\u00e4ngen der Casa de Austria in Spanien begann sich langsam das kastilische Identit\u00e4tsbe\u00adwu\u00dftsein und damit der Gehalt des &#8218;heroischen Bil\u00addes&#8216; zu wandeln. Die Verschmel\u00adzung von Hi\u00adspanit\u00e4t und Uni\u00adversalit\u00e4t setzte ein im Bereich der Diplomatie, indem die Gesandten Karls V. ab 1519 eine &#8222;Doppelvertretung&#8220; wahr\u00adnahmen, als spanische und kai\u00adserliche Botschafter zugleich auftraten<a href=\"#sdfootnote163sym\"><sup>163<\/sup><\/a>. Um 1550 eignete den Spaniern ein anderes Selbstverst\u00e4ndnis als 1517, war an die Stelle des \u00fcberlieferten nationalen ein universales politisches Denken getreten. Spanien spiegelte sich in einem neuen &#8218;heroischen Bild&#8216;.<\/p>\n<p>Karl V., lebenslang davon \u00fcberzeugt, es sei Gottes Wille und F\u00fcgung gewesen, da\u00df ihm zusammen mit seinen L\u00e4ndern auch die Kaiserw\u00fcrde und -b\u00fcrde zuteil wurde, verdankte sein Gesamtreich dynastisch bedingten Erb\u00adf\u00e4llen<a href=\"#sdfootnote164sym\"><sup>164<\/sup><\/a> und der Wahl von 1519. Dieses Erbe zu bewahren, pr\u00e4gte ebenso als Verpflichtung sein Selbstver\u00adst\u00e4ndnis wie das Amt des Kaisertums<a href=\"#sdfootnote165sym\"><sup>165<\/sup><\/a> &#8211; eines Kaisertums, dem er sich mit der Wahl zum r\u00f6mischen K\u00f6nig verpflichtet f\u00fchlte in der unersch\u00fctterlichen Gewi\u00dfheit, da\u00df diese christliche W\u00fcrde ihm einen Vorrang gegen\u00ad\u00fcber allen Herrschern ein\u00adr\u00e4ume. Der Gedanke einer universalen Aufgabe im Ord\u00adnungssystem des Sacrum Ro\u00admanum Imperium l\u00e4\u00dft sich begrifflich als Kaiseridee fassen. Da\u00df sie von Machtstreben bestimmt sei und Welt\u00adherrschaft im Ver\u00adst\u00e4ndnis einer politisch begr\u00fcndeten und ausgerichteten Universalmonarchie bedeute und zu Usurpation und Tyrannei f\u00fchre, hat Karl stets zur\u00fcckgewiesen, dagegen beansprucht, im Interesse des Wohles der gesamten Christenheit zu handeln<a href=\"#sdfootnote166sym\"><sup>166<\/sup><\/a>. Sein dynastisches Denken und sein Selbstverst\u00e4ndnis vom Kai\u00adsertum gestanden ihm zwar kein Recht zu, sein ererbtes Weltreich durch Eroberungen zu vergr\u00f6\u00dfern, ver\u00adpflichteten ihn jedoch, verlorengegangene Besitzungen &#8211; wie die Bourgogne &#8211; zur\u00fcckzugewinnen und als welt\u00adliches Haupt der Christenheit im Sinne des &#8218;protector et defensor ecclesiae&#8216; die r\u00f6misch-katholische Kirche zu sch\u00fctzen und einen Zu\u00adstand allgemeinen Friedens herzustellen. In diesen Kontext ordnen sich die Kriege gegen Frank\u00adreich ebenso ein wie die K\u00e4mpfe gegen die osmanischen T\u00fcrken und ihre islamischen Verb\u00fcndeten einschlie\u00df\u00adlich der Kreuzzugsideen. Dennoch l\u00e4\u00dft sich die kaiserliche Po\u00adlitik keineswegs als rein defensiv ausgerichtet inter\u00adpretie\u00adren<a href=\"#sdfootnote167sym\"><sup>167<\/sup><\/a>. Schon Karls pers\u00f6nliche Bekundungen er\u00adwei\u00adsen sich als widerspr\u00fcchlich. So riet er zum Beispiel einer\u00adseits seinem Sohn im Rahmen von \u00dcberlegungen, die als politisches Te\u00adstament gewertet werden k\u00f6nnen, den Frieden zu h\u00fcten und den Krieg zu vermeiden, ihn nur zu f\u00fchren, wenn er ihm zur Verteidigung aufge\u00adzwungen werde<a href=\"#sdfootnote168sym\"><sup>168<\/sup><\/a>. Andererseits verwies er nur wenige Jahre sp\u00e4ter beim Diktat seiner Memoiren voller Stolz darauf, da\u00df er das Gute, was er bewirkt habe, den Siegen verdanke, bei denen er an der Spitze seiner Heere stand<a href=\"#sdfootnote169sym\"><sup>169<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Dieser historische Kontext l\u00e4\u00dft die These zu, da\u00df Karls V. Bauwerk in der Alhambra zu Granada weder im erasmianischen Geist<a href=\"#sdfootnote170sym\"><sup>170<\/sup><\/a> &#8211; der am Hof ein\u00adflu\u00dfreiche Rezipienten besa\u00df<a href=\"#sdfootnote171sym\"><sup>171<\/sup><\/a> &#8211; noch etwa gem\u00e4\u00df den Vorstel\u00adlun\u00adgen des Antonio de Guevara<a href=\"#sdfootnote172sym\"><sup>172<\/sup><\/a> von einem schlichten k\u00f6niglichen Wohnsitz konzipiert werden konnte, sondern im Ver\u00adst\u00e4ndnis eines kaiserlichen, d. h. feierli\u00adchen, gemesse\u00adnen und zugleich triumphal wirkenden Palastes f\u00fcr ei\u00adnen Kriegshelden (&#8222;h\u00e9roe guerrero&#8220;, &#8222;h\u00e9roe militar&#8220;)<a href=\"#sdfootnote173sym\"><sup>173<\/sup><\/a>. Entsprechend kann das ikonographische Programm mit Einschlu\u00df der Fresken im Peinador de la Reina<a href=\"#sdfootnote174sym\"><sup>174<\/sup><\/a> als der Ort bezeichnet werden, an dem in gro\u00dfer F\u00fclle und mit innerem Zusammen\u00adhang die Idee des Kaiser\u00adtums durch einen R\u00fcckgriff auf die Mythologie in dem Ver\u00adst\u00e4ndnis ver\u00adherrlicht wurde, da\u00df des Kai\u00adsers Siegesz\u00fcge ihre moralische Grundlage und Rechtfertigung in den pers\u00f6nlichen Tugenden Karls besa\u00ad\u00dfen<a href=\"#sdfootnote175sym\"><sup>175<\/sup><\/a>. Was besagen dann aber die Friedensallegorien, auf deren histori\u00adsche Einordnung und Deutung alle Autoren fast g\u00e4nzlich verzichten?<\/p>\n<p>Kriegsheld hei\u00dft auch f\u00fcr Checa Cremades keinesfalls, da\u00df hier der Kaiser als kriegsw\u00fctig gekennzeichnet wurde &#8211; ei\u00adne Zuschreibung, die sich dagegen im Verst\u00e4ndnis von &#8218;Kriegsf\u00fcrst&#8216; literarisch im Zusammenhang mit dem Schmalkaldischen Krieg h\u00e4ufiger findet<a href=\"#sdfootnote176sym\"><sup>176<\/sup><\/a>. Das gesamte ikonographische Programm enth\u00e4lt bei\u00adspielsweise keinen Bezug auf <em>Mars<\/em><a href=\"#sdfootnote177sym\"><sup>177<\/sup><\/a>, und in den zwei Ausfertigungen der einen Friedensallegorie wird dem\u00adentsprechend nicht dessen B\u00e4ndigung durch <em>Venus<\/em> dargestellt, jene Liebes\u00adszene bzw. Z\u00e4h\u00admung des Kriegsgot\u00adtes, die seit der Re\u00adnais\u00adsance unter Rezeption antiker Vorstellungen die &#8211; nur zeitweise &#8211; \u00dcberwindung des Krie\u00adges thematisierte<a href=\"#sdfootnote178sym\"><sup>178<\/sup><\/a>. Die in ihrer Gestaltung meiner Kenntnis nach einmalige Friedensallegorie bildete den Ab\u00adschlu\u00df eines Pro\u00adgramms, das in mythologischer Bild\u00adsprache das Werk des Kaisers reflektiert. Es wird mora\u00adlisch versinn\u00adbild\u00adlicht als ein Weg des m\u00fchevollen, aber erfolgreichen poli\u00adtischen Kampfes unter Einsatz mili\u00adt\u00e4rischer Mittel gegen das B\u00f6se, der gekr\u00f6nt wird mit dem Sieg des Guten, welcher ohne Kriege nicht zu er\u00adlangen ist<a href=\"#sdfootnote179sym\"><sup>179<\/sup><\/a>. Am Be\u00adginn dieses Weges steht das Ziel, man\u00adnig\u00adfach verbildlicht \u00fcber den pers\u00f6nlichen Wahl\u00adspruch im Zu\u00adsammen\u00adhang mit der von den S\u00e4ulen des Herku\u00adles umschlossenen Erdku\u00adgel sowie \u00fcber das Be\u00adkenntnis zu den Aufga\u00adben des Ordens vom Goldenen Vlie\u00ads. Seine Devise umzusetzen erfordert Tugenden, wie sie Her\u00adkules eigen wa\u00adren, und Werke, wie er sie voll\u00adbracht hatte.<\/p>\n<p>Herkules als mythologisches Vorbild zu verwenden, war in Spanien wie im Europa des 15.\/16. Jahrhunderts nicht ungew\u00f6hnlich, in der monarchischen Ikonographie sogar gel\u00e4ufig<a href=\"#sdfootnote180sym\"><sup>180<\/sup><\/a>&#8211; so auch bereits in noch bescheide\u00adnem Ma\u00dfe von Maximilian I. genutzt<a href=\"#sdfootnote181sym\"><sup>181<\/sup><\/a> &#8211; , im Zusammenhang mit dem Kaiser erreichte dieses Thema aber seine h\u00f6chste Bedeutung am Palast und Pilar Karls V. Auf den vier Halbreliefs am &#8218;Pilar de Carlos V&#8216; wurde diese Idee im Umfeld des Pala\u00adstes erstmals verbildlicht. Checa Cremades<a href=\"#sdfootnote182sym\"><sup>182<\/sup><\/a> interpre\u00adtiert sie als Verweise auf den Kaiser als Ritter (<em> Alexan\u00adder <\/em>), als mutigen und tugendhaften Mann ( <em>Herkules<\/em> ), als Angeh\u00f6rigen des Or\u00addens vom Goldenen Vlies ( <em>Phrixos und Helle<\/em> ) und als gesitteten Helden ( &#8222;h\u00e9roe ci\u00advilizador&#8220; &#8211; <em>Apollon und Daphne <\/em>). Diese Deutung l\u00e4\u00dft sich im Anschlu\u00df an Rosenthal mit weiterf\u00fchrenden \u00dcberlegungen vertiefen. Im Bilde <em>Alexanders, <\/em>der selbst sein Geschlecht auf Herkules zur\u00fcckgef\u00fchrt hatte<a href=\"#sdfootnote183sym\"><sup>183<\/sup><\/a>, wird \u00fcber die In\u00adschrift re\u00adflektiert, da\u00df die Erdkugel nicht gro\u00df genug ist f\u00fcr das Wirken des zeitgen\u00f6ssischen Helden &#8211; des Kai\u00adsers, be\u00adgriffen im Sinnbild der Welt\u00adkugel zwi\u00adschen den S\u00e4ulen des Herku\u00adles<a href=\"#sdfootnote184sym\"><sup>184<\/sup><\/a>. Ein zeitgen\u00f6ssischer Bezug scheint auch in der Verfolgung <em>Daphnes durch Apollon <\/em>vorzuliegen, er\u00adfa\u00dft in dem Augenblick, da sich die Nymphe in einen Lorbeerbaum zu verwan\u00addeln beginnt. In Verbindung mit dem Text steht <em>Daphne<\/em> stellvertre\u00adtend f\u00fcr Hei\u00adden und H\u00e4retiker, die vergeb\u00adlich versuchen, sich der christlichen Wahrheit zu entziehen<a href=\"#sdfootnote185sym\"><sup>185<\/sup><\/a>. Im dritten Bild ist nicht der <em>Raub der Europa <\/em>dargestellt<a href=\"#sdfootnote186sym\"><sup>186<\/sup><\/a>, sondern \u00fcber <em>Phrixos und Helle<\/em><a href=\"#sdfootnote187sym\"><sup>187<\/sup><\/a> ein Bezug zur My\u00adthologie des Goldenen Vlieses und damit zur Ordensaufgabe des Kampfes ge\u00adgen die T\u00fcrken gegeben. Im letz\u00adten Bild ver\u00adweist das mythische Un\u00adtier der neunk\u00f6pfigen Wasserschlange, die <em>Hydra<\/em>, auf die Vielfalt der Ge\u00adfahren des Kampfes; ihre Thematisie\u00adrung im Kontext der Inschrift mit ihrem of\u00adfenbaren Bezug auf den kaiser\u00adlichen Wahlspruch l\u00e4\u00dft als Erkl\u00e4rung die These zu, da\u00df Karls Werke als denen seines &#8218;Ahnherrn&#8216; Herkules zumindest eben\u00adb\u00fcrtig zu sehen seien, dessen Taten so\u00adgar in den Schatten stellen, sie vergessen lassen. Zugleich kann das Bild historisch &#8211; im Zusammenhang mit dem als dauerhaft eingestuften kaiserlichen Erfolg \u00fcber den Schmal\u00adkaldi\u00adschen Bund &#8211; gedeutet werden als Sieg \u00fcber die protestantische H\u00e4resie<a href=\"#sdfootnote188sym\"><sup>188<\/sup><\/a>. Die Interpretation, da\u00df Karls Werke h\u00f6her ge\u00adwertet werden m\u00fc\u00dften als die des Herkules und Alexander des Gro\u00dfen, wird in der Bildfolge von links nach rechts reflektiert, in der jeweils zwei der Halbreliefs den Doppeladler flankierend auf dieses Symbol des Heili\u00adgen R\u00f6mischen Reiches verweisen &#8211; ei\u00adnen Reichsadler, der im Wappenschild den unmittelba\u00adren Bezug auf Karl V. enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>An der S\u00fcdfassade des Palastes<a href=\"#sdfootnote189sym\"><sup>189<\/sup><\/a> verbreitet <em>Fama<\/em> die Kunde von den maritimen Erfolgen und von der See\u00adherrschaft des Kaisers \u00fcber das Mit\u00adtel\u00admeer, er\u00adrungen vor allem im Tunisfeldzug von 1535, mythologisch er\u00adfa\u00dft in den Szenen mit <em>Neptun<\/em><a href=\"#sdfootnote190sym\"><sup>190<\/sup><\/a> &#8211; Er\u00adfolge, an die <em>Historia<\/em> erinnert; wahrscheinlich sollten <em>Fama<\/em> und <em>Historia<\/em> diese auf den Tafeln vor ihnen inschriftlich verzeichnen<a href=\"#sdfootnote191sym\"><sup>191<\/sup><\/a>. Auf Werken milit\u00e4rischer St\u00e4rke beruht also jener Reichtum, der von <em>Abundantia<\/em> und anderen Symbolen des \u00dcberflusses in bunter F\u00fclle verk\u00fcndet wird, auch auf der &#8218;Puerta de las Granadas&#8216;. Nicht zuletzt spiegelt sich der milit\u00e4rische Triumph in den Portalposta\u00admenten wi\u00adder, falls es sich um die Wiedergabe von Kriegstroph\u00e4en handelt<a href=\"#sdfootnote192sym\"><sup>192<\/sup><\/a>; Tropaia aus den K\u00e4mpfen gegen die is\u00adlamischen Feinde m\u00fc\u00dften jedoch deren Waffen entsprechen, und ein Bezug etwa zu einem milit\u00e4rischen Erfolg wie Pavia ist dem Programm nicht zu entnehmen. K\u00f6nnen die Waffen nicht auch im Sinne von &#8218;Si vis pacem, para bellum&#8216; gelesen werden, also als Hin\u00adweis darauf, da\u00df R\u00fcstung eine Voraussetzung der Kriegs\u00ader\u00adfolge ist<a href=\"#sdfootnote193sym\"><sup>193<\/sup><\/a>? Offen bleibt die Deutung der ruhenden L\u00f6\u00adwen, eines k\u00f6niglichen Symbols und vielleicht Sinnbil\u00add f\u00fcr Wachsamkeit<a href=\"#sdfootnote194sym\"><sup>194<\/sup><\/a>. Als Gesamtwerk f\u00fchrt die S\u00fcd\u00adfassade zu der Aussage, da\u00df die Siege des Kaisers seinen Un\u00adtertanen ein Leben in Sicherheit und Wohlstand ga\u00adrantieren<a href=\"#sdfootnote195sym\"><sup>195<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Alle bisherigen Aussagen erscheinen noch einmal verdichtet in den Bildern der Westfassade, die schon im Por\u00adtal mit seinen abgestuften drei Eing\u00e4ngen an einen r\u00f6mischen Triumphbogen erinnert und \u00fcber die Fenster\u00adt\u00fc\u00adren des Hauptgeschosses dem Kaiser erm\u00f6glicht h\u00e4tte, sich seinen &#8218;Untertanen&#8216; zu zeigen<a href=\"#sdfootnote196sym\"><sup>196<\/sup><\/a>. Auch wenn die Halbreli\u00adefs zu beiden Seiten des Wappens Philipps II. erst im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts ent\u00adstanden sind, d\u00fcrften sie sich nicht auf den Nachfolger Karls beziehen<a href=\"#sdfootnote197sym\"><sup>197<\/sup><\/a>, sondern das ikonographische Pro\u00adgramm fort\u00adschreiben, das einen Palast &#8217;schm\u00fcckt&#8216;, der mit der Person seines urspr\u00fcnglichen Bauherrn &#8211; dem neuen Herku\u00adles &#8211; verbunden blieb, und das hei\u00dft mit dem Kaiser. Daf\u00fcr spricht die Verehrung, die Philipp II. zeit sei\u00adnes Lebens dem Vater gegen\u00fcber hegte. Sie kann sich auch in dem Wappen an der Westfassade nieder\u00adgeschlagen haben: Es l\u00e4\u00dft sich als Verweis auf den urspr\u00fcnglichen Bauherrn und zugleich als Dokumentation der Fortf\u00fch\u00adrung seines Werkes durch den Nachfolger interpretieren<a href=\"#sdfootnote198sym\"><sup>198<\/sup><\/a>. Mit Sicherheit entstanden in diesem Zusammenhang die Halb\u00adreliefs der Reitergruppen \u00fcber den Seiten\u00adt\u00fcren, obgleich sie sich bisher inhaltlich nicht befriedigend deuten lie\u00ad\u00dfen<a href=\"#sdfootnote199sym\"><sup>199<\/sup><\/a>. Sie wurden gearbeitet von Antonio de Leval &#8211; jenem Bildhauer, von dessen Hand u. a. auch das rechte Halbrelief der Schlacht von M\u00fchlberg und die rechte Friedensallegorie als eine Replik<a href=\"#sdfootnote200sym\"><sup>200<\/sup><\/a> des Origi\u00adnals von Juan de Orea stammen. Die Kampfesszenen auf den Frontplatten und an den Sei\u00adtenw\u00e4nden der Por\u00adtalpostamente und mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit auch die Rei\u00adtergruppen in den gro\u00dfen Medaillons sowie beide <em>Victoria<\/em> &#8211; Allegorien r\u00fchmen den M\u00fchlberger Sieg des Kai\u00adsers und die Kampfbereit\u00adschaft seiner Solda\u00adten, preisen die Wirkungen seiner Arbeit und milit\u00e4rischen Erfolge, diesmal im Landkrieg, ver\u00adweisen \u00fcber die Knaben, ihre Girlan\u00adden und andere Ausdrucksmittel f\u00fcr \u00dcberflu\u00df auf Wohlstand, Reichtum und F\u00fclle. Zu\u00adgleich verkn\u00fcpfen bei\u00adspiels\u00adweise die Girlanden zu beiden Seiten der T\u00fcren die Westfassade mit der r\u00f6mischen Tradition<a href=\"#sdfootnote201sym\"><sup>201<\/sup><\/a>. Alles aber ist Beiwerk &#8211; Beiwerk zur zentralen Aussage der Friedensallegorien.<\/p>\n<p>Gegen Ende der ersten Jahrhunderth\u00e4lfte lie\u00dfen sich die Versprechungen bzw. Verpflichtungen der Sinnbilder als eingel\u00f6st bewerten: Die kastilischen Besitzungen in &#8218;Westindien&#8216; standen gesichert unter dem Schutz Karls V. &#8211; gesichert u.a. auch durch Bestimmungen des Friedensschlusses zu Cr\u00e9py mit Frankreich als jenem Gegner, mit dem der Kaiser nach vier Kriegen zu einem Ausgleich gelangt zu sein hoffte; gebannt schien die unmittel\u00adbare Bedrohung Spaniens, aber auch des ganzen christlichen Europas durch die islamischen Glaubensfeinde; der Sieg im Schmalkaldi\u00adschen Krieg f\u00fchrte zu der Erwartung, da\u00df die Gefahren abgewendet worden waren, die dem \u00fcber\u00adlieferten r\u00f6\u00admisch-katholischen Glauben und seiner Kirche durch die &#8218;lutherische H\u00e4resie&#8216; gedroht hat\u00adten. Somit hatte der Herr des Palastes durch seine Tugenden und durch seine Leistungen als Kriegsheld nicht nur die Ta\u00adten des Herkules \u00fcbertroffen, sondern die &#8218;pax romana&#8216; wiedererrichtet, einen dauerhaften Frieden f\u00fcr die nun\u00admehr christliche Welt bewirkt. Die von den S\u00e4ulen des Herkules umschlossene Welt wurde beider-, bzw. all\u00adseits symbolisch als befriedet dargestellt durch die besondere Form einer doppelten Verbildlichung der <em>Pax.<\/em><\/p>\n<p>Da\u00df der Friede zwischen den Christen nunmehr gew\u00e4hrlei\u00adstet erschien, war eine Vorstellung, die nach 1547 besonders in S\u00fcdeuropa ver\u00adbreitet war, gef\u00f6rdert durch eine kaiserliche Propa\u00adganda, die Karl als Friedens\u00adbringer und Friedensf\u00fcrst fei\u00aderte<a href=\"#sdfootnote202sym\"><sup>202<\/sup><\/a>. In einen derartigen Kontext ordnete sich der &#8218;kr\u00f6nende Ab\u00adschlu\u00df&#8216; des iko\u00adnographischen Programms zu beiden Seiten des Hauptportals der &#8218;kaiserlichen&#8216; Westfassade ein. Dieses, wahr\u00adscheinlich vom Kaiser selbst oder zumindest aus seinem engeren Umfeld initiierte Programm spie\u00adgelte einer\u00adseits den Sachverhalt wider, da\u00df der Kaiser die Aufgaben des <em>protector et defensor ecclesiae <\/em>erfolgreich wahr\u00adgenommen zu haben schien &#8211; er gew\u00e4hrte Schutz vor den T\u00fcrken und hatte im &#8218;Ketzerkrieg&#8216; gesiegt. Anderer\u00adseits hatte sich Kastilien mit diesen Funktionen des Kaisers der Christenheit nunmehr als eigenen identifiziert und die Politik seines K\u00f6nigs als Kaiser akzep\u00adtiert<a href=\"#sdfootnote203sym\"><sup>203<\/sup><\/a> &#8211; dokumentiert nicht nur in Schrift-<a href=\"#sdfootnote204sym\"><sup>204<\/sup><\/a>, sondern auch in den Werkst\u00fccken des Palastes zu Gra\u00adnada. Die Aussagen der architektonischen Formen des Pala\u00adstes und des\u00adsen &#8217;nachgeschobener&#8216; ikonogra\u00adphi\u00adscher Schmuck stimmten \u00fcber\u00adein &#8211; auch darin, da\u00df in\u00adfolge derartiger Identi\u00adfikation die Bek\u00e4mpfung des deut\u00adschen Pro\u00adtestantismus ebenso wie schon zuvor der Kampf gegen den Islam als eigene, &#8217;nationale&#8216; Aufgabe be\u00adgriffen wurde. Kaiserliche Siege waren nunmehr spanische Siege. Milit\u00e4ri\u00adsche Erfolge mit nachfolgender &#8211; er\u00adwarteter &#8211; Bewahrung des Friedens trugen mit Ruhe und Ordnung auch Reichtum ein, wie <em>Pax<\/em> und <em>Abundantia <\/em>mehr\u00adfach verk\u00fcndend be\u00adkunden. Als Gesamtwerk war der Palast im \u00e4u\u00dfersten S\u00fcden kaiserlicher Herrschaft in Europa ein Be\u00adkenntnis zur Pflicht des Herrschers, die Christenheit nicht nur zu sichern und den \u00fcberlieferten katholischen Glau\u00adben un\u00adeingeschr\u00e4nkt zu bewahren, sondern auch \u00fcber den ganzen Erdkreis zu verbreiten &#8211; bis zu den Po\u00adlen mit ihrer Inan\u00adspruchnahme durch die Ver\u00adlagerung der S\u00e4ulen des Herkules<a href=\"#sdfootnote205sym\"><sup>205<\/sup><\/a>. \u00dcberh\u00f6ht wird der Stolz auf die bisherigen Leistungen i h r e s Kaisers durch den Glauben, das B\u00f6se dauerhaft bezwungen zu haben, ver\u00adbild\u00adlicht in den Friedensal\u00adlegorien auf den zentralen Hauptportalpostamenten des Pa\u00adlastes Karls V. &#8211; einem Dokument menschlichen Hoffens und Ir\u00adrens in zeit\u00ad\u00fcberdauerndem Marmor<a href=\"#sdfootnote206sym\"><sup>206<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/svz76RainerWohlfeil-Kriegsheld-Friedensfuerst.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Weiterlesen\u00a0 &gt;&gt;\u00a0 vollst\u00e4ndiger Text mit Fu\u00dfnoten im pdf-Format \/ neuer Tab\u00a0 &gt;&gt;]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. em. Dr. Rainer Wohlfeil<br \/>Kriegsheld oder Friedensf\u00fcrst?<br \/>Eine Studie zum Bildprogramm des Palastes Karls V. in der Alhambra zu Granada <\/p>\n<p>Gemeinsam sind Horst Rabe und mir nicht nur das Interesse an dem Zeitalter, das als Rahmenthema f\u00fcr diese Festschrift vorgegeben ist, sondern auch die intensivere Besch\u00e4ftigung mit einer der Pers\u00f6nlichkeiten, die zur historischen Bedeutung der Epoche beigetragen haben \u2013 Kaiser Karl V.  Wir haben uns bem\u00fcht, ihn nicht nur aus dem Blickwinkel deutscher Geschichte zu erfassen, sondern ihn auch aus seiner Einbindung in die spa\u00adni\u00adschen Reiche zu erkl\u00e4ren, zu verstehen und zu deuten. [ \u2026 ]<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/kriegsheld-oder-friedensfuerst_studie-des-bildprogramms-palast-karl-v-alhambra-granada\/\"><span>Weiterlesen &gt;&gt;<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[327,328,326,309,325,343],"tags":[349,331,350,330,352,320,311,348,347,332,329,346,351],"class_list":["post-1596","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fruehe-neuzeit","category-historische-bildkunde","category-ikonographie","category-karl-v","category-spanien","category-universalmonarchie","tag-alhambra","tag-bildprogramm","tag-friedensallegorie","tag-granada","tag-herkules","tag-herrschaftsverstaendnis","tag-karl-v","tag-palacio-carlos-v","tag-politische-architektur","tag-propaganda","tag-spanien","tag-symbolik","tag-weltmacht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1596","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1596"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1596\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1882,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1596\/revisions\/1882"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1596"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1596"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/reflejarte.es\/RAINERWOHLFEIL\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1596"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}